»Ich habe jar nischt. Dein Papa ›hat‹ nie! Nämlich spioniert! Er hat sich lediglich erlaubt, direkt auf dem Wege ein Notizblatt zu finden, das seine poetische Tochter verloren hatte und das er hiermit submissest zurückerstattet, weil er keine Verwendung dafür hat.«

»Gnädiges Fräulein, die Stelle von der epischen Ruhe dieser großen hohen Wiesenflächen und ihrer lyrischen Unterbrechung durch die kleinen Büsche mit ihren bizarren Zwergstämmchen und den wunderlichen Kronen ist herrlich. Bitte, schenken Sie mir das Blatt!«

Der das sprach, war ein junger, schlanker Mann. Der Alte lachte fröhlich.

»Bravo, Herr Juro, bravo! Man hört Ihnen gleich an, daß Sie Ackerbau studieren und künftiger Scholta und Großbauer im Wendenland sind. Jawohl, das ist unsere moderne Landwirtschaft! Der Landwirt stellt sich an die Wiese und phantasiert von epischer Ruhe und lyrischer Unterbrechung, und die Ochsen zu Hause verhungern und die Wirtschaft geht sachte zum Deibel.«

»Lieber Vater …«

»Lieber Sohn?! Sei du man stille! Denn du bist erst der rechte!«

Heinrich von Withold, ein zweiter junger Mann, nickte seinem Vater gemütlich zu und pfiff eine kurze musikalische Sentenz.

»Pfeif nur, Bürschel, pfeif nur! War wohl wieder von dem verrückten Kerl, von dem Wagner? Ich sage – einmal und nicht wieder!«

Niemand fragte, was er meine. Alle wußten, er meine, einmal habe er eine der neuen Wagnerschen Opern angehört und tue das nie wieder.

»Auf keinen Fall!« fuhr Herr Withold zornig beteuernd fort. »Jetzt – was soll ich machen, daß der Junge, der Heinrich da, sich viel mehr mit musikalischen Faxen abgibt, als daß er Volkswirtschaft und Agrikultur studiert, wofür ich ihn, Himmeldonnerwetter, nach Breslau zur Universität geschickt habe?! Was soll ich machen?«