Da kamen herein zur Kammertür
Zwei liebliche Engelein:
»Maria, wir wollen spielen mit dir,
Wir sind so jung und klein!«

»Ich kann nicht singen und spielen mit euch,
Die Stund' nicht ferne ist,
Braucht Hemdchen und Windeln und Linnenzeug
Mein Söhnlein Jesus Christ!«

Die Mädchen standen mit gefalteten Händen hinter ihren Spinnrädern und sangen das Lied andächtig und schön. Das Kaminfeuer warf einen roten Schein über sie und über das »Gotteskind« in seinem feierlichen, weißen Kleid.

Nun packte der Weihnachtsmann mit großem Gepolter seine Gaben aus und fuhr mit einem alten Besen derb unter dem Mannsvolk herum, wodurch er den Zorn des Hundes »Napolium« erweckte, der beständig nach seinen Waden schnappte, was viel Hallo gab. Es gab für eine »Vorbescherung« ganz unerhört kostbare Dinge; denn die eigentliche Bescherung kam erst am Heiligabend. Die Spinnmädchen bekamen alle kleine silberne Anhängsel: ein Herzchen, ein Kreuzchen, einen Stern, die Knechte und Mägde wurden reichlich mit Kleidungsstücken bedacht, Kito erhielt eine silberbeschlagene Tabakspfeife, der Hausvater bekam die schön ausgeführten Wappen der Ober- und Niederlausitz, beide unter einem geschnitzten Lindenkranz vereinigt. Von wem ging diese Bescherung aus? Die Antwort ergab sich bald.

Zur Tür herein kam Samo. Er war am späten Nachmittag heimlich angekommen.

»Darf ich auch bei der Bescherung sein?« fragte er, nachdem er gegrüßt hatte. Hanka wurde blaß und hielt sich an dem Spinnrocken fest. Errötend gab sie Samo die Hand.

Plötzlich aber stieß sie einen lauten Freudenschrei aus. Ihre Eltern waren in die Stube getreten. Das Mädchen hing an ihrem Halse und lachte und weinte vor Freude.

Da stand Kito auf und gebot mit lauter Stimme Ruhe. Er nahm Hanka an der Hand und sagte:

»Setz dich auf deinen Platz! Es muß Ordnung sein!«