»Nun, so bitte ich für meinen Freund Samo alle, die er beleidigt hat, um Verzeihung. Jetzt aber tretet ihr zwei hierher!«
Samo und Hanka traten in die Mitte der Stube, der Brautwerber legte ihre Hände ineinander und sprach die vorgeschriebenen Worte:
»Ich verlobe euch öffentlich vor diesen Zeugen in Gottes Namen. Es sei mit euch beiden der Gott unserer Väter und segne euch mit den Gütern, mit denen er unsere Väter gesegnet hat. Amen!«
Darauf sangen alle Anwesenden das Lied:
»Lob, Ehr' und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne
Und auch dem heil'gen Geist im hohen Himmelsdome.«
Als das Lied zu Ende war, trat das weiße »Gotteskind« vor Hanka, gab ihr einen goldenen Ring und sprach dazu:
»Aus der Erd' stammt das Gold,
Vom Himmel die Treu,
Dein goldenes Ringlein
Breche nimmer entzwei!«
Samo küßte Hanka auf die leise bebenden Lippen. Die zwei waren nach wendischem Brauch verlobt. –
Nun brach die Tollheit des lebenslustigen Wendenvolkes sich Bahn. Boten eilten in die anderen Spinnstuben des Dorfes, und nicht lange, so wimmelte es von Burschen und Mädchen. Die fremden Burschen drangen in die Stube; einer hatte ein langes Messer in der Hand, damit »erstach« er den Rocken Hankas. Und nun nahmen die anderen Burschen den Mädchen die Rocken weg, und aller Flachs, der noch dran war, wanderte ins Feuer.