»Habt Ihr's gehört? – Er ist verrückt! Jagt mir nichts dir nichts das väterliche Gut in die Binsen, präsentiert es einem andern wie eine Zigarette für zwei Dreier. Oho, Bürschchen, oho! Ich werd' schon dafür sorgen, daß es dir in dem weitläufigen Gespensterbau nicht zu eng wird. Ja, glaubst du denn, dafür hat man einen Sohn, einen Stammhalter?«

»Lieber Vater, den Stamm kann ich dir ja woanders erhalten; das muß doch nicht gerade hier sein. Und von Wegschenken ist keine Rede; ich laß mich natürlich auszahlen.«

»Auszahlen – wie ein Weib! Pfui Teufel! Das macht der verfluchte Wagner! Die Liese wird ausgezahlt als Tochter – verstanden? Du gehörst hierher! So ist es Brauch und Recht.«

»Es ist natürlich gänzlich ausgeschlossen,« sagte Juro, »daß durch meine Lebensschicksale die Familiengeschichte Withold in dieser Weise beeinflußt werden soll.«

»Natürlich, Juro, du bist ja vernünftig. Wir werden uns schon vertragen. Na, man könnte z. B. das Jagdschlößchen für euch beide recht hübsch herrichten lassen, und da könntest du von hier aus deinen ärztlichen Bezirk haben. Das läßt sich ja alles einrichten. Aber wenn einem sein einziger Sohn so kommt, das ist stark! Das übersteigt alle Begriffe!«

Er ging aufs höchste verärgert aus der Stube, und bald darauf hörte man ihn unten im Hofe herumschimpfen.

Heinrich schritt gelassen ins Nebenzimmer, wo ein großer Flügel stand, und vertiefte sich in die Schönheit der Wagnerschen »Gralserzählung«.

Juro und Elisabeth waren allein. Das Mädchen küßte dem Geliebten Mund, Stirn und Augen. Dann lehnte sie an seiner Schulter und sprach tröstende und zärtliche Worte zu ihm. Er lächelte glücklich; nur ein paarmal irrte sein Blick zum Fenster hinaus. Dort in der Richtung, wo der bleiche Mond stand, lag das Vaterhaus, das er verlassen hatte.

»So hört, wie ich verrat'ner Liebe lohne:
Vom Gral ward ich zu euch dahergesandt!«