»Oho,« sagte er bei sich, »ich wäre ein Esel, wenn ich es mir so dumm verderben würde wie Juro. Ich muß sehen, daß ich die Geschichte mit Hanka und dem Alten wieder ins Geleise bringe.«
Wie mag nur ein Winter im Föhrenwald vergehen, wenn alles so tot und still ist draußen und dieselben Menschen immer zusammenhocken in derselben niederen Stube? Zuletzt lachen sie wohl nicht mehr, reden wohl nicht mehr, wissen sich nichts mehr zu sagen!
Sind sie nicht wie Gefangene? Weg und Steg verschneit, das liebe Brot schmal, der Beutel leer, das Herz leer.
Dann sind wohl manche wie stumpfe Tiere, die mit der Kette an magerer Krippe hängen, dumpf hinstarren vor sich in die grausige Langeweile. Und die anderen, die die Sehnsucht kennen, wandern aus. Im fahlen Schneelicht reist ihre Seele nach großen Städten, wo die prangenden Theater sind, wo die schönsten Frauen der Erde in lichtstrahlenden Sälen tanzen, oder nach den Ländern des Südens, wo jetzt die blauen Schwalben fliegen über roten Blüten.
Wie mag nur ein Winter im Föhrenwald vergehen? Im Unterland, wo die Sprewja breit und vielfach verzweigt ist, ist jetzt lustige Zeit. Da laufen selbst die alten Weiber auf Schlittschuhen, und jeder Bursch fährt seine Liebste auf dem Schlitten. Die Unterländer sind lustig, aber leichtsinnig; die ernsteren Oberländer haben das immer behauptet und immer etwas auf die Spreewaldleute herabgesehen.
Doch auch sie wollen ihr Vergnügen, und auch in ihren stillen Stuben stirbt das Lachen nicht in der langen einsamen Zeit. – –
Der alte Kito steht im Hof und unterhält sich mit einem Sperling.
»Was, wrobel[52], was sagst du? ›Lieber Kito, 'ne Ähre‹? Das sagst du? Und was sangst du im Sommer? ›Dem Kito 'n Strick, dem Kito 'n Strick!‹ Und was sangst du noch im Herbst: ›Korn ist Dreck, Korn ist Dreck!‹ Wart, wrobel, ich schmeiß dich tot!« Und er warf nach ihm mit fünf Haferkörnchen.