Es ist doch gut, daß die Lieder sind und die alten Sagen und die alten Bräuche. So schläft die Seele nicht ein. Und auch der Magen fühlt sich wohl dabei. Am Sebastianstag muß auch der Ärmste sein Pfund Fleisch essen, sonst wird das Vieh krank, muß geschlachtet werden, und es gibt bald Fleisch in Fülle.
Dann kommt die lustige Faschingszeit. Welcher Spaß ist größer, wo in der Welt wird herzlicher gelacht, als wenn in den Spinnstuben am cazowečor[53] sich die Burschen und Mädel gegenseitig die Gesichter mit Ruß schwärzen? Am Faschingsdienstag gar schallt der stille Föhrenwald wider von jubelndem Lachen, wenn die Burschen »zampern« gehen, alle als Weiber verkleidet, jeder mit einem großen Korb, in dem er Speck und Eier einsammelt. Wer ein einziges Mal den alten Kito in der Tracht eines jungen Mädchens gesehen hat mit dem gestickten Busentüchlein und der großen Bänderhaube und dem bunt gestreiften Rock, der vergißt es sein Lebtag nicht. Dieses Jahr ist er aber nicht als junges Mädel, sondern als alte Wičaz gegangen, hat mit verklebten Federspulen, in die er gelbe Sandstückchen getan hatte, die wie Wanzen aussahen, überall Schrecken und Angst erregt, zumal er die Spulen den Weibern in den Nacken steckte. Auch hat er Karten gelegt und unerhörte Dinge geweissagt, so, daß auf den Sonntag der Montag treffen wird und daß ein Dreierlicht auch dann noch einen Dreier kosten wird, wenn das Wachs aufschlagen sollte. Die wirkliche Wičaz ist ihm nachgegangen, und die beiden Wičaze, die echte und die unechte, sind sich in die Haare geraten, und so ein schöner Spaß ist noch nie und nirgends dagewesen. Oh, es lebt sich lustig und herrlich zur Winterzeit im Föhrenwald! Und »am Ostermorgen tanzt die Sonne«.
Hanka hat mit ihren Spinnmädchen am Karfreitag draußen gestanden auf dem freien Feld, sie sind feierlich im Kreise zusammengetreten und haben gesungen: »Nět daj moj Jezus dobru noc«, »Nun gib, mein Jesus, gute Nacht«, und als am Karsamstag Mitternacht vorbei war, haben die Burschen in allen Dörfern geschossen; Hanka aber ist, noch ehe die Sonne aufging, schweigend mit einem Krüglein zur stillen Spree gegangen und hat Osterwasser geholt; das wird sie nun gesund erhalten das ganze Jahr. Viele Mädchen und Frauen sind ihr begegnet, keine hat ein Wort gesprochen.
Ja, am Ostermorgen tanzte die Sonne! Winter war aus, neues Leben kam in die Heide.
Und auch der Sommer verging.
Hanka war zu ihren Eltern zurückgekehrt, als ihr Bräutigam Samo als »Pán doctor« nach Hause gekommen war.
Mit gewaltigem Respekt betrachteten die Dorfleute den jungen Arzt. Ja, es kam so weit, daß die Bäuerin Pösch, die die Rose bekam, allen Ernstes daran dachte, sich den neuen Doktor rufen zu lassen, wenn sie es zuletzt doch nicht vorgezogen hätte, sich lieber von der Wičaz »besprechen« zu lassen.
Samo war nicht lange zu Hause geblieben, sondern wieder nach Prag gefahren. Von dort war er erst nach Monatsfrist zurückgekehrt.