»So wollen wir in Gottes Namen beginnen«, sagt der alte Hanzo mit etwas zitternder Stimme. »Ihr habt mich zum Leiter dieser Versammlung gewählt. Es ist Klage gegen Juro, meinen ältesten Sohn. Die Klage will ich nicht selbst vorbringen, sondern das wird der Bur Klin tun.«
Der Bauer Klin war sonst ein Wichtigtuer und Maulheld. Heute aber stotterte er und versprach sich oft, als er Juro, der für ihn der gelehrte und gebildete Mann war, die Anklage ins Gesicht sagen mußte. Aber er stammelte doch die Anklage heraus: Juro sei gegen das Wendentum, er habe in diesen und diesen Fällen Wenden schwer beleidigt, er habe die wendischen Gebräuche nicht nur selbst gemieden, sondern auch gesagt, er wolle sie ausrotten, er habe die wendische Sprache geschmäht, er habe öffentlich erklärt, er wolle alle Wenden zu Deutschen machen; endlich, er wolle sich am heiligen Kronenhügel vergreifen und nachweisen, daß es überhaupt keine wendische Krone gebe. Darum sei das Volk eines Sinnes, daß ein solcher Mann nicht der zukünftige Kral sein könne.
»Hat noch jemand der Anklage was hinzuzufügen?« fragte Hanzo.
»Ja«, rief Samo. »Die Hauptsache ist, daß er sich im Wendenland festsetzen und den Einfluß, den er als erstgeborener Sohn des Kral hat, dazu mißbrauchen will, unser Kraltum zu vernichten und die Wenden den Deutschen auszuliefern.«
Nun bekam Juro das Wort.
»Ich möchte zuerst fragen: Ist mein Bruder Samo ansässiger Bürger oder Bauer der Wendei, hat er in einer Gemeinde bereits Sitz und Stimme?«
»Nein!«
»Also gehört er nicht hierher, und ich bitte, ihn von dieser Versammlung, in der er nichts zu suchen hat, auszuschließen.«
Es ging ein Tumult los. Es wurde durcheinandergeredet. Der Erfolg war, daß Samo bleiben durfte.
»Gut,« sagte Juro, »so bleibt er gegen alles Recht. Ich werde annehmen, daß auf seinem Platze eine Säule nicht ganz reiner Luft sei!«