»Nicht wahr, Samo, wir werden eine ordentliche Stube nehmen und ein ordentliches Leben führen?«
Er machte sich achselzuckend los von ihr.
»Das geht nicht so auf einmal. Das fällt doch auf.«
»Du kannst doch sagen, ich – ich habe dir das Erbteil mitgebracht –«
»Vorsichtig müssen wir sein. Ich werde sehen, was sich wird machen lassen.«
Ein und ein halbes Jahr waren seitdem wieder vergangen. In eine »ordentliche Stube« waren Samo und Hanka gezogen, hoch in den oberen Stock eines sauberen Hauses. Aber ein »ordentliches Leben« führten sie nicht.
Samo war liederlich geworden.
Er hielt es nicht aus in der engen Klause, wo das stille Weib saß und mit heimwehkranken Augen zum Fenster hinausstarrte, hinauf zu den Wolken, die am Himmel wanderten. Er wußte, daß ihre Sehnsucht immer mit auf die Reise ging, hinstrebte nach der wendischen Heimat, die für ihn und sie auf immer verloren war.
Und er hatte keine geordnete Beschäftigung. Am Anfang hatte er manchmal Bücher aus einer Bibliothek besorgt und etwas studiert. Aber was nutzte ihm das Studieren? Er interessierte sich in der Hauptsache für medizinische Schriften, und was in aller Welt sollte ihm noch die medizinische Wissenschaft nutzen? Wenzel Halek war nicht approbiert, Wenzel Halek hatte nur das Äußere mit Samo ziemlich ähnlich gehabt; geistig war er ein verlumpter Kerl gewesen, der sich keinerlei Qualifikationen erworben hatte. Das elende Leben Haleks, das im Delirium geendet war, mußte Samo nun fortsetzen.