»Samo, darf ich etwas zur Verteidigung des alten Krok sagen?«

Samo antwortete nicht. Da fuhr Bohuslaw fort:

»Erinnere dich, Samo, wie die Sache eurer Lausitzer Sorben stand, als du meinen Onkel kennen lerntest. Du selbst gabst ihre Sache fast verloren. Und den Hauptschlag gegen das Slawentum an der Sprewja fürchtetest du von deinem Bruder Juro, der gedroht hatte, den Kronenhügel aufzugraben und so den einfachen Leuten da oben den Beweis zu erbringen, daß es eine wendische Krone nicht gäbe. Da hat dir der alte Krok gesagt: Symbole sind für das Volk alles. Sieht das Volk, daß das Symbol fehlt, dann vergeht ihm der Glaube, dann ist die slawische Sache der Lausitz verloren, dann wird die Lausitz deutsch!«

»Was wärmst du den alten Kohl auf?«

»Um Krok zu verteidigen. Er hat es ehrlich gemeint.«

»Ehrlich! Indem er mich zu dem ungeheuren Betrug verleitete.«

»Er hielt es nicht für Betrug. Die wendische Krone ist in Wahrheit da, die ideelle Krone, das war und ist seine Überzeugung. Die Kralswürde ist echt. Und der Glaube daran darf nicht an der äußerlichen Tatsache scheitern, daß die substanzielle Krone fehlt oder wenigstens dort fehlt, wo man sie vermutete.«

»Ja, und also haben wir uns eine Krone machen lassen und sie im Kronenhügel eingegraben. Eine kluge und herrliche Tat fürwahr! Oder vielleicht auch eine romantische Schufterei.«

»Krok hat doch alles anders geraten, als du es ausgeführt hast. Er hat dir doch geraten, nachdem die Krone eingegraben war, dafür zu sorgen, daß du selbst sie vor vielen Zeugen ausgraben und nach einem würdigeren Platz bringen solltest, etwa nach eurer Heimatkirche. Dann war der Glaube befestigt, dann konnte auch nichts passieren, dann konnte ja nichts entdeckt werden.«

Samo sprang von der Mauer herab.