»Hatten jene recht, die sagten, ich habe deinen Buhlen erschlagen?«
Weil aber das Mädchen nicht »nein« sagen konnte, riß er den Stecken aus der Erde und schlug sie nieder.
Noch ehe sie starb, fragte er:
»Warum hast du mich belogen?«
Da sagte sie, daß sie ihn ja früher nicht gekannt hätte, daß sie ihn aber mit Treue geliebt hätte, als sie ihn sah. Und sie starb.
Der Fremdling stand drei Stunden neben ihr in tiefem Nachdenken. Dann holte er eine Schaufel, begrub das Mädchen und steckte den Stecken auf ihr Grab. Am selben Abend noch zog er fort in die Welt.
Als der Frühling kam, wuchs aus dem Stecken ein Fliederbaum. Und der Flieder war fortan im Wendenland. Die Blüten waren hold und lieb in jedem Jahr, und ihr Duft war süß und zart; aber wer sie pflückte, dem welkten sie an der Brust, noch ehe die Frühlingssonne unterging.
Nach vielen Jahren kam der König wieder ins Wendenland. Als er die Heimat betrat, wurde sein Antlitz rot und jung; er war wieder ein Jüngling.
Auf dem Sandwege im Föhrenwald begegnete ihm ein wendisches Mädchen. Sie war zierlich und schlank und trug ein Bündel unter dem Arm.