»Es ist ein Fluß, der heißt Sprewja, und es ist ein Ort daran, der heißt Burg. Weithin bis nach der berühmten Stadt Budissin dehnen sich Felder, Wälder und Wiesen. Dort wohnen die Sorben, die von den njemski Wenden genannt werden. Das Volk war arm, aber nun ist es reich und stark, denn ein Kral ist erstanden, ein Retter und Erlöser, der hat das Volk nützliche Künste gelehrt, die es groß und reich gemacht haben.«

»Ein Kral sagst du?« fragte der Alte. »Ist er noch unter euch? Ist er jung und stark?«

Die Stirn des Fremden umwölkte sich.

»Der Kral ist lange nicht mehr bei uns. Er ist aufgegangen an unserem Himmel wie eine Sonne und ist untergegangen hinter zwei schwarzen Wolken!«

»Hinter zwei schwarzen Wolken?«

»Ja! Siehe, der Mann ist ein Stern, der auf die Erde scheint, und das Weib ist die Wolke, die von ihm vergoldet wird, die ihn weiß umrahmen, die ihn aber auch nächtlich verdecken kann. Es standen zwei schwarze Wolken an unserem Himmel, das waren zwei unwürdige Töchter unseres Volkes. Dahinter verschwand der Kral.«

Der Alte seufzte und fragte:

»Ist nun das Land ohne Fürsten?«

Da schwieg der Fremde lange, als kämpfe er mit tiefem Gram. Dann berichtete er:

»Das Land war so groß und reich, daß es einunddreißig Fürsten hatte. Aber an der Grenze lauerte der stumme Hund. Der njemz! Der Deutsche. Es war ein Markgraf, Gero mit Namen –, der tat freundlich den Wenden. Der lud die einunddreißig Fürsten auf sein Schloß zu üppigem Mahl und flößte ihnen einen Teufelswein ein, der sie trunken und ihre Hände schlaff machte, und er ließ dreißig erschlagen. Ein einziger entkam.«