An der Spree türmte der Nachtjäger einen Berg, grub einen tiefen See rundum, ließ gelbe giftige Lichter um den Uferrand erbrennen und baute in einer Nacht für den Kral auf dem Berge mitten im See ein festes Schloß.

Zum jenseitigen Ufer führten nur eine lederne Brücke und ein blutroter Kahn. Die Deutschen wollten das Schloß erstürmen, aber die meisten von ihnen gingen in einem Sumpf elend zugrunde.


Der Wendenkönig wurde nun ein Räuber. Er sammelte eine Horde verkommener Leute um sich, raubte, brannte und mordete und feierte mit seinen Spießgesellen, mit Hexen und schlechten Weibern auf seiner Burg teuflische Feste. Weit breitete er seine Macht aus. Die Wenden plünderte und unterdrückte er, den Deutschen aber stahl er Kinder. Die Mädchen schlachtete er und fraß sie auf, die Knaben steckte er in sein Räuberheer und machte sie zu Unholden. Zuletzt wurde er so schlimm wie Morkusky, sein Meister.

Und als dieser ganz zufrieden mit ihm war, verließ er ihn, um nach anderen Ländern zu reiten und dort Zwietracht zwischen die Völker zu säen – zwischen Wenden und Deutschen war Morkuskys Werk getan.

Der Kral wurde oft verfolgt von Wenden wie von Deutschen. Aber er schlug seinem Rosse die Hufeisen verkehrt auf, so daß er seine Verfolger täuschte. In höchster Not flüchtete er in sein Schloß, indem er über die lederne Brücke ritt, die sich hinter ihm aufrollte.


Da geschah es, daß der König einmal ein wunderholdes Mädchen raubte. Das hieß Rinetta und war zehn Jahre alt. Und es saß unter einem Fliederbaum, als er es stahl. Während nun der Kral heimritt mit seiner jungen Beute, war eine blühende Nacht. Alle Wege grün und bunt, die Sterne so träumerisch am Himmel, der sanfte Wind wie ein heiliger, heilender Strom.

Das Kindlein weinte in des Räubers Arm, aber allgemach schlief es ein, ruhte an der Brust seines Mörders und sagte im Traum zu ihm: »Du guter Vater!«

Da sah der König erschrocken auf das Kind. Er sah es mit finsterem Auge an. Aber er sah es zweimal und dreimal, und durch die Mainacht kamen in Sternenglanz und Mondschein alte Freunde, Jugendfreunde seiner Seele: reine, wundersame Gedanken. Nur weil er so versonnen war, nur weil er wie in müdem Traum durch den Wald ritt, wies er sie nicht ab.