Und er sah das Kindlein noch einmal an, wie es im Glanz des Himmelslichtes in seinem Arm lag, und wandte in Sinnen versunken langsam sein Roß und trug das Kind in das Haus seiner Eltern zurück.

Die schrien, als sie den Kral erkannten. Das erwachte Kind aber, als es sich wieder bei seinen Eltern sah, lächelte und sagte:

»Oh, er hat mir nichts getan; er hat mich nur ein wenig auf seinem Pferde reiten lassen.«

Da ging der Kral rasch von dannen.


Und die gute Tat ging dem Kral nach in sein böses Leben. Wohl blieb er ein wilder Räuber, aber er stahl keine Kinder mehr. Und wenn das bittere Heimweh kam, das alle bösen Herzen von Zeit zu Zeit überkommt, wenn es nicht wich bei Raubzug und Zechgelag, dann lenkte der Kral sein Roß zu dem Hause der Rinetta, die lieblicher aufblühte von Jahr zu Jahr.

Zuletzt faßte den Kral eine so verzehrende Liebe zu dem Mädchen, daß er einsam wurde und wochenlang aus seiner Burg nicht herauskam.

Seine Spießgesellen murrten. Viele jagte der Kral davon, andere zogen auf eigene Faust in die Fremde. Am Ende war der Kral allein, und am nächsten Tage kam Rinetta zu ihm als seine Frau. Von da an tat er keinen Raubzug mehr.


Und es geschah ein großes Wunder im Wendenland, als Rinetta dem Kral einen Sohn schenkte. Da ward der Kral dem Lande ein gütiger Vater. Er verteilte von den ungeheuren Geldschätzen, die er gesammelt hatte, er baute Weiler und Dörfer, er wurde ein Feind und Vernichter aller Räuber, die noch im Lande waren.