»Ich fürchte mich«, sagt es leise.

»Es ist unsere böse Gegend hier, Hanka«, fährt die Ältere fort. »Um alles will ich hier nicht sein zur Abendzeit. Und wir wären längst daheim, wenn sich Lobo, der Liederlich, nicht betrunken hätte.«

Der Kutscher hört die Anklage und brummt für sich. Langsam schleicht das Gefährt dahin. Wer will in verrufener Gegend den bösen Jäger wecken oder in rascher Fahrt dem Nachtfuhrmann begegnen? Ist nicht selbst der himmlische Fuhrmann, dessen Wagen am Firmament steht, auf zu rascher Fahrt an eine Mauer der Hölle angefahren, so daß die hintere Achse aus dem Quadrat wich und sich die Deichsel für alle Ewigkeit verbog?

Langsam schleicht das Gefährt. Neue Wiesenflächen tauchen auf. Die alte Bäuerin sagt furchtsam, beklommen: »Hanka, erschrick nicht; aber ich muß es dir sagen: Hier ist noch eine böse Gegend; hier wohnt die Todesgöttin Smjertniza. Gott schütze uns!« …

In einem Nebelschloß wohnt die Todesgöttin Smjertniza. Sie ist immer in weißen Kleidern. Die Tür ihres Hauses ist zweifach verriegelt, mit einer Menschenhand und mit einem Menschenfuß. Aber ob sich auch die Menschen mit Hand und Fuß gegen die Tür ihres Schlosses stemmen – wenn sie ihre Lichter entzündet, schiebt sie die Riegel zur Seite und geht über die Felder bis zu den Dörfern. Die Menschen sehen sie nicht. Die Tiere sehen sie. Aber der Mensch, dem sie begegnet und den sie meint, stirbt nach drei Tagen …

Drüben liegt die Wiese mit dem dunklen Waldrand.

»Schau geradeaus, Hanka! Geradeaus! Schau nicht hinüber!«

Lobo, der Kutscher, hält durch Zurufe die Pferde zu noch langsamerem Gange an. Wie unter angstvollem Zauberbann schleicht der Wagen dahin.

Da schallt Hundegebell übers Feld. Die Frauen horchen erschreckt auf.

»Es ist Tyra, unser Hund!« sagt Lobo. »Ich kenne ihn an der Stimme. Er hat sich losgerissen von der Kette.«