Zwei Tiere jagen aus dem Busch am Wegrand, ein Reh, ein Hund dahinter. Sie springen dicht vor dem Gefährt auf die Straße. Die Pferde bäumen auf. Das Reh bleibt zitternd stehen. Der Hund steht, keucht. Die Pferde stehen. Die alte Frau schreit gellend auf:

»Die Smjertniza, die Todesgöttin!«

Drüben über der Wiese, weit drüben steht das Nebelschloß – Lichter blitzen drin –, eine weiße Gestalt löst sich von dem Schlosse los –

»Die Smjertniza! Die Tiere – sehen – sie –«

»Ty newetko pormorski!« flucht da der Knecht, schlägt auf die Pferde wie rasend, die Pferde gehen durch, jagen die Straße entlang, springen über einen Graben querfeldein auf ein Dorf zu –

Beim Eingang des Dorfes schlägt der Wagen um – zerbirst an einem Prellstein – die Insassen fliegen heraus – Pferde reißen sich los, jagen davon –

Schreiende Leute kommen gelaufen. Sie richten Lobo, den Knecht, und Hanka, das Mädchen, die wenig verletzt sind, auf und tragen die Bäuerin, die am Sterben ist, nach ihrem Gehöfte.


Wie ein Herrensitz ist das Gehöft des Scholta[1] Hanzo. Hoch ragt das schindelgedeckte Wohnhaus, das nach wendischer Art mit der schmalen Giebelseite der Dorfstraße zugekehrt ist. Die Dorfstraße ist ziemlich weit vom Hause entfernt. Eigener Zufuhrweg, Teich und Anger liegen zwischen ihr und dem Gehöft; das wendische Angerdorf ist breit und geräumig angelegt. Muster von Lindenblättern, mit Sternen durchwirkt, schmücken den Giebel des Hauses, ein Kreuz schaut ernst aus dem Blattgerank, und ein Spruch, der darunter steht: