»Ein guter Prediger würdest du sein. Wenn du willst, sprichst du mit Schwung. Und ernst bist du. Eigentlich doch ein Grübler. Es ist ein reines Wunder, daß du mit einem so leichten Huhn, wie ich bin, dich befreundet hast.«
Er wartete keine Antwort ab.
»Übrigens, dein Bruder Samo – du, der hat mir heut wieder Augen gemacht! Höflich war er ja – na ja, weil ich der Gast war, aber Augen – – du, wenn der mich fressen könnte, mich und alle Deutschen!«
»Es ist seine unglückliche Art«, sagte Juro.
»Und dem willst du dieses ganze Königreich abtreten?«
»Ich weiß es nicht. Ich bin so unentschlossen. Ich passe sicher besser in die Stadt. Und dann – dann ist es wegen Elisabeth.«
»Stimmt! Die paßt allerdings besser in die Stadt als in eure Scholtisei. Obwohl sich das Mädel für alles interessiert. Sie spricht sogar ziemlich gut wendisch, was z. B. mein Vater und ich nie kapieren. Übrigens, das Fräulein aus eurer Verwandtschaft, die Hanka, ist ein süperbes Mädel. Ein Urbild von Gesundheit. Leider habe ich es mit ihr gleich von vornherein verdorben. Erstens halte ich Esel sie für eine hübsche Magd und sage ihr, sie solle mein Pferd anbinden, zweitens faselte ich von Irrlichtern und Nebelgebilden, als sie so gläubig von den brennenden Gespenstern und dieser weißen Todesgöttin sprach. Sie glaubt daran.«
»Ja, sie glaubt daran, wie meine Mutter daran geglaubt hat.«
»Und dein Vater?«
»Er hat noch keinen in sein Herz sehen lassen. Wie Samo! Vor dessen Verstand und Bildung hielt natürlich der ganze alte Aberglaube nicht stand, aber im innersten Herzen hängt er daran wie der einfachste Wende. Aus Nationalität – jawohl! So etwa, wie die Schweizer am Tell hängen oder alle Völker an mancherlei Geschehnissen, Heldentugenden, Herrschertaten, die nie gewesen sind.«