»Alle diese Selbsttäuschungen machen doch aber sehr glücklich.«

Juro wehrte heftig ab.

»Nein, sie halten auf, sie hemmen! Sie sind toter Ballast, der die Schiffe der Völker unnütz beschwert. Es sind vorgespiegelte Reichtümer, erträumte Erbschaften, die den Nationen einen falschen Begriff von ihrer Größe geben und in denen der Chauvinismus, der größte Feind aller Völkerverbrüderung und des menschlichen Fortschritts, am tiefsten wurzelt.«

»Sprechen wir von etwas anderem«, sagte Heinrich, der des schweren Themas schon müde war.


Im Park der Witholdschen Besitzung traf Juro mit Elisabeth zusammen und blieb mit ihr allein. Heinrich hatte sein Pferd davongeführt.

»Du bist sehr blaß, Elisabeth? Du trauerst um meine Mutter.«

Sie saßen auf einer Holzbank unter einem alten Baume.

»Erzähle mir von deiner Mutter«, bat das Mädchen. »Ich habe sie nur zweimal in meinem Leben gesehen. Sie hatte sehr gute Augen.«

Er erzählte. Er sprach wie ein guter Sohn. Und das deutsche Mädchen sah mit feuchten Augen der Seele der wendischen Frau nach in das blaue Dämmern, das über ihnen war.