Sie küßten sich nicht. Aber sie hielt seine Hand. Und der Schmerz, der in ihm war, wurde milder und stiller in der Gegenwart dieses lieben Mädchens.

Er sagte es ihr. Da antwortete sie:

»Wenn es anders wäre, würde ich wohl nicht für dich taugen.«

»Du bist viel klüger, viel erfahrener, als sonst Mädchen in deinem Alter sind«, meinte er.

»Das ist, weil ich keine Mutter gehabt habe! Weil sie so früh starb! Da muß ein Mädchen vieles, was ihm sonst die Mutter abnähme, selbst tragen und selbst erleben.«

Er schwieg eine Weile und sagte dann:

»Elisabeth, ich werde dich in ein Geheimnis einweihen, das du wissen mußt. Du könntest mich sonst nicht ganz verstehen und auch nicht die schwere Aufgabe ermessen, die dir werden wird, wenn du meine Frau sein wirst.«

Und Juro erzählte Elisabeth die Sage vom Wendenkönig. Er entrollte ihr das alte, ehrwürdige Gemälde, das, im Allerheiligsten des Tempels wendischen Volkstums gehütet und gehegt, sonst kein »Njemz« zu ersehen bekam. Das Mädchen hörte zu mit verwunderter Seele, und allmählich kam eine Angst und plötzlich kam ein Schreck über sie …

Und sie erkannte, daß Juro der zukünftige Kral der Wenden war. –

Da tat sie das, was die Frauen großen Erkenntnissen gegenüber tun – sie weinte.