Das bedauerten wir sehr, und wir verachteten den Wilddieb, der nicht auf seinem Posten geblieben war. Der Förster machte den Vorschlag, wir könnten ja unterdes das Eichhorn beerdigen. Darauf gingen wir mit Freuden ein. Das tote Tierchen wurde in eine Erdgrube gelegt, und wir drei standen mit feierlichen Angesichtern an seinem Grabe. Der Förster befahl mir, mit meiner Armbrust den Trauersalut zu schießen. Darauf schoß ich meinen Rohrpfeil über das Grab hinweg, und der Förster machte mit seinem Munde »Plaff!« dazu. Das veranlaßte mich, ihn scharf anzusehen, ob er die ganze Sache auch ernst nehme.

Er nahm sie aber sehr ernst. Mit geradezu verbissenem Gesicht stand er da, und mit dumpfer Stimme sprach er:

»Heinrich, halte eine Leichenrede! Aber vergiß das ›Amen!‹ nicht.« Heinrich und ich waren beide ausgezeichnete Redner. So war es kein Wunder, daß Heinrich, ohne sich's erst lange zu überlegen, folgende schöne Rede hielt:

»Liebes Eichhörnchen, du bist leider tot. Von wegen eines Schuftes! Er hat jetzt gerade etwas anderes zu tun, sonst täten wir ihn erschießen. Liebes Eichhörnchen, du warst das schönste Tier auf der ganzen Welt. Du hast so niedliche Pfoten. Jedes Jahr zu Weihnachten werde ich dir drei große, vergoldete Nüsse in dein Grab stecken. Amen.«

Der Förster drückte die Augen zu, dann wies er auf mich.

»Jetzt halte du eine Leichenrede!«

Ich hustete, bis ich rot wurde, dann sagte ich:

»Liebes Eichhörnchen, du bist leider tot. Von wegen eines Schuftes!«

»Du leierst ja wieder dasselbe her!« fuhr mir der Förster dazwischen. Ich sagte verlegen, es komme schon noch, hustete noch einmal lange und inbrünstig und sagte dann: »Liebes Eichhörnchen, du warst das allernützlichste Tier. Hoch auf der Eiche hast du dein Haus gehabt, und es hatte immer die Tür dort, wo kein Wind ging. Und, und im Winter hast du geschlafen. Und, und du konntest so fix turnen. Und du hattest einen schönen Schwanz und vier schöne, weiße Nagezähne. Amen.«