Käfer:

Nun bin ich allein! Nun will ich auch schlafen! Ich wollte, mir träumte von dem jungen Menschenkinde, und ich wollte, es lebte und lachte. Oder ich träumte von dem jungen Falter und den Rosen. (Er legt sich auf ein goldenes Bettlein und schläft.)

Lange Pause. Dem feinsten Ohre nur ist ganz leises Atmen vernehmbar. Da kommt als getreuer Hausmeister der Herbstwind. Vorsichtig schlürft er leise durch die stillen Gänge des Laubhauses und horcht an allen Kammertüren. Wie er sich überzeugt hat, daß alles schläft, schleicht er zurück und schiebt draußen an den Blättern, wie an Türen und Fensterläden, bis das letzte Fensterlein verschlossen, die letzte Tür verriegelt ist.


Mein Roß und ich.

Erzählung aus der Zeit, da ich ein »Schlingel« war.

Ich ging nicht in die Schule – ich ritt! Ich konnte mir das leisten, denn ich hatte ein Roß, das nicht rechnen konnte. Wenigstens kam es nie hinter die verzwickten Schliche der indirekten Regeldetri. Bei »zehnstündiger Arbeitszeit« arbeiteten nach Meinung meines Rosses die bekannten »sechs Arbeiter« an dem bekannten »Graben« immer zehnmal so lange als bei einstündiger.

Dieses Roß hieß Reinhold Sander, war zwei Jahre älter und zwanzigmal so stark als ich und im übrigen der gutmütigste Schuljunge von der Welt. Jeden Morgen erschien mein Roß in meiner großväterlichen Wohnung, stopfte sich schnell einen Apfel oder was etwa sonst Genießbares auf dem Fensterbrett lag, in die Hosentaschen, setzte mich auf seine Schultern und trabte mit mir zur Schule, wo es mich auf meinem Platz sänftiglich absetzte.

Dafür machte ich meinem Rößlein in der Rechenstunde die tadellosesten »Bruchansätze«.