Als wir ein Stück davon waren, sang ich mit lieblicher, heller Stimme: »Stadtklecker! Stadtklecker!« und mein Roß wieherte und wieherte deutlich auf den Text »Stadtklecker! Stadtklecker!«
An diesem Tage aber hatten wir in der ersten Stunde biblische Geschichte. Da ich zu Hause vergessen hatte, die »Bibel« zu lernen, wollte ich auf den Vorzug, sie vortragen zu dürfen, lieber verzichten und bat daher gleich nach Anfang der Stunde den Lehrer, »mal austreten« zu dürfen. Er brummte etwas von »ewigem Gelaufe« und ließ mich ziehen. Darauf trat ich dreiviertel Stunden lang »aus«. Als ich vermutete, daß die biblische Gefahr vorüber sei, näherte ich mich wieder behutsam der Schulstubentür und hörte da folgenden Meinungsaustausch.
»Es heißt nicht Frau Putiphar, es heißt Frau Potiphar!«
»Herr Schulinspektor!« hörte ich unseren Lehrer bescheiden einwenden, »bei uns in der katholischen Bibel schreibt sich die Frau mit u.«
Mir aber wurde plötzlich an der Schulstubentüre so beklommen zumute, daß ich meinte, jetzt müsse ich wirklich mal austreten. Also verschwand ich noch auf fünf Minuten nach dem Hofe, dann aber trieb mich mein Pflichtgefühl und eine düstere Ahnung nach dem Klassenlokal.
Heiliger Himmel, der plötzlich anwesende Kreisschulinspektor war tatsächlich unser »Stadtklecker«. Kaum erblickte er mich, so machte er auch schon den Finger krumm, winkte und sagte: »Komm mal her, du Schwede!«
»Wo warst du denn bist jetzt?« herrschte er mich an.
Ich sagte, ich sei nur schnell mal austreten gewesen.
»Schnell mal austreten – so! Du Range! Und über eine halbe Stunde bin ich schon hier. Wo warst du so lange, Schlingel – he?!«