Ich stotterte etwas von einer unheimlichen Bauchkrankheit, die ich hätte; er aber ergriff mich an den Ohren und begann in höchst lästiger und fataler Weise daran herumzuschrauben. Trotzdem hörte ich, wie mein Roß leise und zornig aufschnaubte, denn mein Roß liebte mich. Ich bekam noch eine ungewisse Anzahl von Ohrfeigen und konnte mich dann setzen.
Der Herr Schulinspektor hielt nun eine donnernde Strafrede über die Roheit von Dorfkindern Fremden gegenüber, was ich mit äußerer Zerknirschung und innerer Gleichgültigkeit anhörte.
Am Schlusse sagte er: »Der kleine Bengel dort ist zu faul, um in die Schule zu laufen; er reitet auf diesem langen starken Labander und läßt ihn dafür die Rechenaufgaben abschreiben.«
Ein vernichtender Blick traf unseren herzensguten Lehrer.
»Herr Schulinspektor, der Reinhold Sander ist einer meiner schwächsten Rechner, aber sonst ein guter Junge.«
Das alles galt nichts.
»Sander, komm mal raus an die Wandtafel. Nimm die Kreide und schreibe auf:
6 Arbeiter arbeiten über einem Graben von 175 m Länge, 1½ m Breite und ¾ m Tiefe 18 Tage bei täglich zehnstündiger Arbeitszeit. Wie lange arbeiten 25 Arbeiter an einem Graben von 300 m Länge, 1½ m Breite und ½ m Tiefe, wenn sie täglich nur 8 Stunden tätig sind?«
O, du armes Roß! Ich sah, wie seine Mähne sich sträubte, wie schwerer Atem durch seine Nüstern drang und seine Läufe zitterten.