Am zweiten Tage gegen Abend meldete der Schneider, der als Kundschafter ausgeschickt worden war: es ziehe ein starker Mann daher. Er sei groß wie ein Riese und habe einen Knüppel in der Hand. Man könne nicht wissen, was er im Schilde führe.

Da versteckten sich die drei Räuber hinter die Brombeerhecken und atmeten auf, als der starke Kerl vorbei war. Der Hutmacher aber, welcher der Klügste von ihnen war, sprach:

»Auf diese Weise werden wir auch keine guten Geschäfte machen!« Und er hielt eine Rede, und alle drei beschlossen, den nächsten Wandersmann zu überfallen, sei es auch, wer es sei.

Wie nun der Morgen in hellgoldener Pracht über den Bergen aufging, kam der Schuster angerannt und sagte: ein einzelner Reiter komme den Talweg herauf. Es sei wohl ein reicher Ritter, denn er habe eine Feder auf dem Hut und trage ein seidenes Wams. Er sei schon ganz nahe. Das Schlimme sei nur, daß er ein Schwert an der Seite trage; man könne also nicht wissen, was er im Schilde führe.

»Schwert oder nicht Schwert,« brüllte der Hutmacher so mutig, zornig und laut, daß die Luft dröhnte; »wir müssen ihm am Kreuzweg auflauern und ihm seine Habe abnehmen. Der Schneider wirft dem Pferde eine Schlinge um den Hals, der Schuster zieht den Ritter vom Roß herunter, und ich packe ihn dann von hinten!«

In diesem Augenblick wieherte ein Pferd, und die drei Räuber rannten so schnell als möglich nach dem nahen Kreuzweg. Als nun der Ritter ankam, sprangen sie ihm mit einem fürchterlichen Geschrei entgegen.

Und was nun kam, geschah alles blitzschnell. Der Ritter entriß dem Schuster die Schlinge und warf sie ihm selbst um den Hals, er zog den Schneider zu sich aufs Roß hinauf und packte den Hutmacher von hinten am Halswirbel. Darauf stieg er gelassen vom Roß herab, nahm auch den Schuster mit hinunter und legte alle drei Räuber sacht, aber bestimmt auf die Erde, mit den Nasen in den aufgeweichten Boden hinein. Dann befahl er ihnen, nur recht still zu liegen, da sie ja nicht wissen könnten, was er im Schilde führe, räumte ihnen die Taschen aus, was sie da noch an Wurst, Speck und Tabak hatten, zählte jedem mit der flachen Klinge seines biegsamen Degens zwanzig ansehnliche Streiche auf den Hosenboden, stieg dann wieder zu Roß und ritt langsam davon, indem er mit fröhlicher Stimme sang:

»Es ist so schön der Morgen
Im frohen Sonnenlicht,
Kein Kummer und keine Sorgen
Drücken mein Herze nicht!«

Als der Ritter um die nächste Waldecke verschwunden war, hob der Hutmacher die Nase aus dem Schlamm, nieste kräftig und sagte: