Die 10 Pfennige nahm das Roß in Verwaltung und kaufte am Nachmittag drei Zigarren dafür. Jeder rauchte eine, die dritte rauchten wir zusammen. Wir saßen dabei auf unserem Windmühlberg, sahen nach der Kreisstadt hinüber und sangen aus vollen Lungen: »Stadtklecker! – Stadtklecker!«
Die Räuber aus dem Riesengebirge
Drei ehrbare Handwerker aus dem Riesengebirge, ein Schuster, ein Schneider und ein Hutmacher, beschlossen eines Tages, Räuber zu werden; denn ach, ihre Geschäfte gingen schlecht! Machte der Schuster ein Paar Stiefel, so kam sein Kunde nach ein oder zwei Tagen angehinkt, schimpfte, daß ihm alle Zehen zerquetscht und die Fersen zerrieben seien, schlug dem Meister die Stiefel um den Kopf und verlangte sein Geld zurück. Nähte der Schneider mit Sorgfalt und viel Geschicklichkeit einen Anzug, so wies ihm sein Kunde bei der Ablieferung mit rauhen Worten nach, daß das eine Hosenbein weit wie ein Mehlsack, das andere eng wie ein Pfeifenrohr sei, und daß der Rock hinten zwei Buckel mache, wie das Fell eines Trampeltiers. Maß der Hutmacher einem ein recht fesch Hütlein an, so saß es ihm am Ende auf dem Wirbel wie eine Hanswurstkappe oder fiel ihm in die Stirn bis über die Spitze des Kinnbartes herab.
So sagten eines Tages die drei Meister zueinander: »Das Handwerk hat keinen goldenen Boden mehr. Man kann tun, was man will, das Publikum ist nicht zufrieden. Es gibt nichts als Zank und Streit. Wir wollen uns also nach einer friedfertigeren Beschäftigung umsehen.«
Darauf beschlossen sie, Räuber zu werden, und meinten, dabei ihr gutes Auskommen zu haben. Sie wuschen sich nun sechs Wochen lang nicht mehr, kämmten ihr Haar nicht mehr und zogen ihre ältesten Kleider an. Darauf nahmen sie von ihren Freunden Abschied, sagten, sie möchten sie nur in gutem Andenken behalten, zogen in den Wald und wurden Räuber.
Zwei Tage und zwei Nächte saßen sie unter dunklen Bäumen und lauerten, ob jemand des Weges daherkommen würde. Es kam aber niemand, und die Räuber froren und langweilten sich. Zum Glück hatten ihnen ihre Freunde Essen und Trinken mitgegeben, sonst hätten die armen Kerle Not leiden müssen.