Als die ersten Lichter angezündet wurden, schauten wir uns starr in die Augen. Unter Heinrichs Wimpern blitzte eine Träne. Aber ich – ich hätte für schöne Geschichten mein Leben hingegeben und faßte ihn an der Hand.

»Soll ich allein gehen?« fragte ich.

»Nein, ich lass' dich nicht allein gehen,« sagte er.

Er war immer ein treuer Freund. Er borgte mir sogar seine Flinte.

So schlichen wir uns aus dem Hof hinaus und gingen über die Felder. Der Wind jagte grauweiße Wolkenfetzen über den Himmel, und es regnete sacht. Wir kamen nach Ameisenfeld. Die ganze Stadt schlief. Wir gingen an der Wotanseiche vorbei. Sie stöhnte leise im Winde. Durch die Brombeerhecken brachen wir. Heinrich trug den Hammer; ich hatte den Nagel in der Hand wie einen spitzen Dolch. Manchmal war es mir, als ob er glühend heiß sei.

Wir sprachen beide kein Wort, denn das hatte uns der Förster eingeschärft. Aber das Schweigen machte unsere Herzen noch beklommener.

Nun tauchte der Geistergrund auf. Die niederen Erlen und Weiden zogen sich am schwarzen Graben entlang, eine hohe Ulme ragte über sie hinweg. Unter ihr sollten der Pilz und die Schlange gesehen worden sein. Und links von ihr, ein Stückchen vom Bachrande weg, war die Judasweide.

Ich schloß die Augen. Wie ein Wirbel war es in meinem Kopf. Rote Ringe sah ich tanzen, ein brennendes Dorf sah ich, durch das auf schwarzem Roß der tolle Müller ritt. Dicker Schweiß rann mir unterm Hut hervor. Aber vorwärts ging es, immer vorwärts, zuletzt im Trab. Fest hielt ich den Nagel in der Hand. Heinrich strauchelte und fiel hin. Der Hammer entglitt ihm. Er hob ihn auf und packte mich fest am Arm. Unsere Herzen schlugen in rasender Schnelligkeit. Wir gingen immer noch vorwärts.

Da – erst sah ich's – dann sah's Heinrich – dann fielen wir auf die Knie –

Aus dem Erlengebüsch trat eine weiße Frau.