»Sieht er uns jetzt gehen?«
»Ja, ich glaube, er sieht uns gehen.«
Da blies der Abendwind übers Feld, und ich fror.
»Dieser ist der Größte im Himmelreich!«
Der goldene Spruch stand über Ludwigs Marmorbild, das vor dem Heiland stand. Mit scheuer Ehrfurcht dachten wir an den Spielkameraden, der mit einem Kranz weißer Rosen um die Stirn in jenes ferne Land gewandert und nun dort ein Fürst und Herrscher war. Da habe ich oft auf der Adlerkoppe neben dem Aussichtsturm gelegen und hinaufgeschaut in das ewige blaue Land und im tiefsten Herzen gewünscht, daß ich auch einmal den Weg finden möge dorthin.
Oft pilgerten wir nach der heiligen Stadt. Ja, selbst der Förster kam manchmal mit; er stand dann ganz still und hielt seinen grünen Hut in der Hand. Meist war unsere gute Fee mit uns dort. Ich habe sie nie weinen sehen um ihr totes Kind. Ein ruhiges Leuchten war immer in ihren Augen. Und sie ging mit uns aus der heiligen Stadt freundlich nach Heinrichsburg, nach Ameisenfeld und zu der Donarseiche, und sprach mit friedlicher, fröhlicher Seele mit uns von allen wichtigen Dingen, die im Walde zu sehen waren.
Sie war selbst wie die Kinder, und darum hatte sie schon hier auf Erden ein Himmelreich im Herzen.
Meinem Freunde Heinrich und mir aber ist durch unser ganzes Leben der goldene Spruch aus der Heiligen Stadt nachgegangen: