Der Schatz in der Waldmühle.
Andreas, der Waldmüller, ging im Großgarten um den starken Apfelbaum im Kreis herum, immer im Kreis herum. Dabei hielt er die Hände auf dem Rücken gefaltet, preßte die Lippen zu einem Spalt zusammen und bezeigte überhaupt eine ernste Haltung. Nach einiger Zeit kam der Mühlknecht Jakoble heraus, ging neugierig auf den Müller zu und fragte:
»Meister, warum geht Ihr denn immerfort so im Kreise herum?«
Ohne ein Wort zu sagen, holte der Müller aus und hieb dem Jakoble eine gewaltige Ohrfeige herunter. Da stellte sich Jakoble erschrocken beiseite, rieb sich die Backe und sagte bei sich selbst: »Es scheint, er will mir's nicht verraten, warum er so im Kreise herumgeht.« Und er schlich in die Mühle zurück und war ob des Vorfalls sehr betrübt.
Der Müller ging noch oft seine Runde; aber endlich blieb er stehen, seufzte tief und sprach: »Tausend und einmal! Und ganz schweigsam! Diesmal, wenn ich mich nicht verzählt habe, wird es endlich glücken.«
Dann setzte er sich unter den Baum ins Gras. Rundum blühten die herrlichen Löwenzahnblumen, und der Gartengrund war schön wie ein Königsmantel mit lauter Orden und bunten Knöpfen. Die Mailuft trug Tau und Blütenstaub auf ihren weichen Flügeln, und die Wassermühle sang ihr surrendes, friedliches Lied.
Des Müllers Gedanken gingen weit zurück in seinem Leben, zu dem Tage, da seine Frau begraben wurde, zu dem anderen, da sein einziges Kind, die Trudel, geboren wurde, schließlich über Soldatenzeit und dumme Jungenstreiche weiter zurück bis zu dem Tage der eigenen Geburt. Da hatte sein Vater zu seiner Mutter gesagt: »Johanna, wir sind arme Leute. Die Bauern sind geizig und unsere Mühle ist verschuldet; was fangen wir nun mit diesem Büblein an?« Die Müllerin hatte gesagt: »Zunächst wollen wir es Andreas taufen, das ist ein schöner und kräftiger Name, und dann wollen wir unsere reiche Base Dorette zu Gevatter bitten, die wird dem Jungen ein gutes Patengeschenk geben.«