Als nun der Tag der Taufe kam, erhielt das Büblein zwar den schönen und kräftigen Namen Andreas, das reiche Patengeschenk aber erhielt es nicht, wenigstens nicht in blanken Talern, wie es die Müllerleute erhofft hatten. Tante Dorette brachte nur ein winziges Holzkästlein, darin ein blanker Kupferdreier lag, und sprach:

»Dieses Kästlein müßt ihr in eurem Garten vergraben. Alsdann muß der Vater über dieselbe Stelle, wo der Kasten liegt, einen Apfelkern stecken. So wie der Baum wächst, so wird der Kasten und die Zahl der Dreier wachsen, und an dem Tage, wo das Bäumchen veredelt wird, werden sich alle Kupferdreier in Golddukaten umwandeln. Wenn dann der Kasten reif zum Heben ist, wird auf dem Apfelbaum ein Glöcklein läuten. Inzwischen müßt ihr fleißig und sparsam sein, dürft keinen Schnaps trinken und alle Wochen nur dreimal Fleisch essen. Auch muß das Büblein, sobald es größer geworden ist, immer an seinem Geburtstag tausend und einmal um den Baum herumgehen, darf aber dabei kein Wort sprechen.«

Der Müller hatte ein wenig geseufzt über das sonderbare und umständliche Geschenk, dann aber hatte er das Kästchen vergraben und das Körnlein gesteckt. Als aber die Base Dorette fort war, hatte er sich arg hinter den Ohren gekratzt, denn seine Frau hatte den grauen Steinkrug, in dem der Schnaps war, mit einer Axt zerschlagen. Damit, meinte der Müller, sei eine schöne Quelle des Trostes und der Labsal in der Mühle versiegt. Die Frau hielt auch fortan auf großen Fleiß und Sparsamkeit, und es kam nie öfter als dreimal in der Woche ein Fleischgericht auf den Tisch.

So hob sich der Wohlstand der Müllerleute. Das Bäumchen wuchs von Jahr zu Jahr, und als es der Müller mit eigener Hand veredelte, zitterte er. Sein Bub stand neben ihm und behauptete, ein feines Klingen vernommen zu haben.

»Das ist,« belehrte ihn sein Vater, »wie das Kupfer in das Gold umgesprungen ist.«

Die Zeit verging. Tante Dorette, Vater und Mutter starben, der Bub wurde groß, wurde selbst Müller, wurde fünfzig Jahre alt. Ein Glöcklein aber läutete auf dem Baum niemals.


Als der Müller jetzt noch so da saß und von seinem lang ausbleibendem Reichtum träumte, trat Reinhard, der Müllerbursch, in den Garten. Er war ein so schöner Bursch, daß er sicher ein Prinz gewesen wäre, wenn er einen König zum Vater gehabt hätte. Heute stak Reinhard nicht in seiner staubigen Müllertracht, sondern war sonntäglich gekleidet und hatte einen runden Hut mit einer Feder auf dem Kopf. Der Müller schaute ihn verwundert an und fragte:

»Wie bist du denn so herausgeputzt; ist es bei dir heut Sonntag?«