»Herr Meister,« sagte der Jüngling, indem er einen kleinen Kratzfuß machte, »bei mir ist heute der allergrößte Festtag. Denn nicht bloß, daß Ihr den Geburtstag habt, es ist auch heute der Tag gekommen, wo ich mir ein Herz fasse, Euch zu bitten, daß Ihr mir Eure herzliebe Trudel zur Ehefrau gebt.«

Der Müller schaute den Burschen erst einige Augenblicke schweigend an; dann sagte er ohne weitere Umschweife: »Reinhard, du bist verrückt!«

Diese Worte klangen dem Freiersmann gar nicht wie liebliche Musik in den Ohren, und er machte ein betrübtes Gesicht. Der Müller stand auf, reckte sich und sagte:

»Die Trudel soll's besser haben als ich. Sie soll nicht ihr Leben lang in diesem dunklen Waldwinkel sitzen. Der sollen bald schönere Tage kommen.«

»Ach, du lieber Gott,« seufzte der Bursche, »wie sollen ihr bessere Tage kommen, wenn Ihr mir sie nicht zur Frau gebt? Sie wird sich eben so sehr darum zu Tode grämen wie ich.«

Gegen solche Krankheit würde schon noch ein Kraut gewachsen sein, meinte der Müller, und da Reinhard grade so schön angezogen sei, habe er, der Meister, nichts dagegen, wenn der Bursch sein Ränzel nähme und über alle sieben Berge davonzöge. So – und damit basta.

Darauf ging der Müller aus dem Garten. Als er an das Türchen kam, trat ihm Jakoble in den Weg und fragte gutmütig und neugierig:

»Meister, was habt Ihr denn so böse mit dem Reinhard gesprochen?«

Der Müller langte ihm eine Ohrfeige herunter und ließ ihn stehen. Da rieb sich Jakoble die Backe und meinte bei sich: »Er will mir nicht verraten, was er mit dem Reinhard gesprochen hat. Also werde ich den Reinhard selbst fragen.«

Und er fragte ihn und erfuhr das ganze Elend und Herzeleid.