Heinrich entfuhr ein kleiner Freudenschrei, und der Arzt lächelte. Dann sagte er freundlich:
»Es tut mir ja leid, daß ich euch nicht alle sechs schicken kann. Am liebsten schickte ich die ganze Schule. Na, vielleicht kommt ihr anderen in einem der nächsten Jahre dran. Jetzt könnt ihr gehen.«
Draußen vor der Haustür sagte Moritz Cohn, der nicht mit »ausgehoben« worden war: »Der Mann is 'n Antisemit.«
Der Lahme aber fing in ohnmächtigem Zorn an zu heulen.
Der Mond schien in die Stube, in der Heinrich Menzel mit seinen Geschwistern schlief. So eng die Klause – und doch vor dem träumenden Kinderauge die Welt so weit. Ein Waldtal stand vor der jungen Seele, wie es phantastische Bilder zeigen: himmelhohe Berge, ein klarblauer See, eine Sägemühle am silbernen Bach, im Hintergrund eine drohende finstere Burg.
»Du«, fragte ihn sein jüngerer Bruder, »ob es da auch Wölfe und Löwen gibt?«
»Du bist dumm,« sagte Heinrich im Tone aufgeklärter Leute, »Wölfe und Löwen gibt es nicht, aber Hirsche in Menge und gewiß auch Räuber und Wilddiebe.«
»Da würd' ich mich fürchten!« sagte der Kleine.
»Oh, ich fürchte mich gar nicht!« rief Heinrich und setzte sich im Bette auf.