Heinrich war mein treuer Freund. Er neidete mir meinen Kranz nicht; aber er sehnte sich danach, auch einen zu erhalten. Er bekam ihn erst, als er sich ihn verdient hatte. Ehrlich verdient! Er hatte ein kleines Mädchen mit Gefahr seines eigenen Lebens aus dem Wasser gezogen. Damals hatte die Fee wohl ihren glücklichsten Tag, als sie ihrem Jungen den Eichenkranz flocht. –

Sonst war es mit unserer Tapferkeit nicht übermäßig gut bestellt; ja, es gab Fälle, wo wir eine traurige Rolle spielten.

Einmal machten wir einen schauerlichen Fund. Wir entdeckten im Dorngestrüpp die Leiche eines Eichkätzchens. Erschüttert betrachteten wir das herrliche Tier, seufzten laut und lange und zergrübelten uns die Köpfe, was seinem jungen, lustigen Leben ein so jähes Ende bereitet haben könne.

»Vielleicht hat es der Marder gefressen,« sagte Heinrich tiefsinnig.

»Oder eine Eule hat es fortgeschleppt,« meinte ich bedächtig.

Darauf war eine Pause. Plötzlich machte ich ein spöttisches Gesicht und sagte: »Wie kann es dein Marder gefressen haben, wenn es doch noch hier liegt?« Worauf sich Heinrich höhnisch an die Stirn tippte und sprach: »Kann es wohl deine Eule weggetragen haben, wenn es noch hier liegt?«

So machten wir uns gegenseitig unsere Überlegenheit klar, und einer ärgerte sich über die Dummheit des anderen. Endlich glaubte ich es zu haben: »Es ist jedenfalls fehlgetreten, heruntergestürzt und hat den Hals gebrochen.«

»Nein,« sagte Heinrich, »der Hals ist noch ganz. Es hat gewiß einen giftigen Pilz gefressen.«

Da schrie ich: »Nein, siehst du, es ist totgeschossen!«