Dieses Gedicht fand starken Beifall im Dorfe, und selbst die kleinen Kinder lernten es auswendig. Auch erfand ein Tonkünstler eine sinnige Melodie dazu, so daß das Lied gesungen und gepfiffen werden konnte. Den Dichter machte es populär, und alle hielten ihn für einen witzigen Menschen, der einen helleren Kopf habe als die anderen Leute.
Mathias Berger hörte von dem Spottverse und beschloß, in einem wirklichen Gedichte, das der Redakteur des kleinen, landläufigen Blättchens gewiß drucken würde, dem Barbier und den Dorfleuten eine derbe öffentliche Antwort zu geben.
Mathias war in seinen Feierstunden ein Dichter. Er verfaßte zwar meist nur Gelegenheitsgedichte, wie Nachrufe, Festtagswünsche u. dergl.; aber einige Gedichte hatten auch in der Zeitung gestanden, und so hoffte Mathias, auch diesmal mit einem geharnischten Poem anzukommen.
Da fand er am Tor des Buchenhofes mit Kreide die Worte angeschrieben: »Der Barbiehr ist ein Esel!« Hannes, der Schaffersohn, bekannte sich mit vergnügtem Schmunzeln als Urheber dieses Sinnspruches und versicherte mit Wichtigkeit, daß er denselben Satz fast auf allen Zäunen und Toren des Dorfes verewigt habe. Dafür erhielt er von Mathias Berger eine unvermutete, aber sehr ausdrucksvolle Ohrfeige, und dieser andererseits zog aus dem Vorfall die weise Lehre, daß es nicht gut sei, sich mit Schubiacks in einen literarischen Kampf einzulassen. –
Auf Betreiben des alten Kantors war Mathias Berger zum gesetzlichen Vormund über die beiden Kinder Heinrich und Magdalena Raschdorf bestimmt worden.
Einen Tumult gab es im Dorfe, als bekannt wurde, daß Berger für Heinrich Raschdorf das Gut kaufe und der Knabe sich mit seiner Schwester »auseinandersetze«. Das Gut war abgeschätzt worden, nicht viel über die Gesamtschulden hinaus, die Heinrich Raschdorf übernahm. Das Mädchen erhielt eine geringe Summe ausgezahlt, die fest angelegt wurde.
»Wenn es uns besser geht, Lene,« sagte Mathias, »dann bekommst Du freiwillig, so viel wir Dir geben können. Jetzt dürfen wir den Hof nich noch mehr belasten, sonst können wir ihn nich halten.«
Das Mädchen verstand nichts davon; es war zufrieden, daß es auf dem väterlichen Gute bleiben durfte. –
Und um diese Zeit geschah es, daß Hannes abermals Prügel kriegen mußte. Das kam so:
Er hatte einem Rudel Jungen, das ihm den Spottvers von den »sechs Dreiern« in die Ohren sang, wütend und doch triumphierend zugeschrien, der Mathias Berger habe mehr Geld als die ganze »Lumpenpakasche« der Dorfleute, er hab' das ganze Dorf »gefünffingert«, denn er besitze 40- oder gar 100 000 Taler, und das habe kein Mensch gewußt. Und als die Jungen lachten, fragte er sie schnippisch, woher denn etwa mit solcher »Fixigkeit und Leichtigkeit« dem Schräger und dem Müller die Schulden bezahlt würden, wenn nicht der Mathias das Geld gäb'. Denn sonst borgte doch kein Mensch.