Diese Straßendebatte hatte drei Folgeereignisse:

1. Mathias Berger wurde zur Einkommen- und Kommunalsteuer herangezogen; 2. im Dorfe entstand eine neue, vielleicht überhaupt die stärkste Sensation, und 3. Hannes bekam Hiebe.

Das letzte Ereignis vollzog sich an einem trüben schwermütigen Märzabend in des Schaffers Stube. Der Vater war sehr schweigsam dabei, der Sohn nicht. Nach der Katastrophe ging Hannes hinaus, starrte in das trübe Abendlicht und lehnte seinen verlängerten Rücken gegen eine kühle Mauer. Da kam die Lene über den Hof, sah ihn verächtlich an und sprach nur das eine Wort: »Quatschkopp«.

Damit warf sie ihm etwas vor die Füße. Es war der Ring, den er ihr ehemals verehrt hatte.

Hannes rührte sich nicht. Für seinen Kampfesmut so schmählich behandelt zu werden, hatte er nicht verdient. Er nahm sich fest vor, weder mit seinem Vater noch mit Mathias noch mit der Lene jemals im Leben wieder ein Wort zu reden, und dann kroch er in sein Bett und schlief mit wehem Herzen und ebensolchem Rücken ein.

Im Dorfe unten aber wurde nach drei Tagen eine romantische Mär erzählt. Irgendwo – den Ort wußte niemand genau – habe eine alte, sehr geizige Frau gelebt, die all ihr Lebtag gespart und sich eine große Menge Papiergeld in einen alten, wollenen Unterrock eingenäht habe. Niemand hätte von dem kostbaren Unterfutter des alten Rockes, den die Frau beständig auf dem Leibe getragen habe, etwas gewußt, selbst die eigenen Kinder nicht. Eines Tages sei die Frau plötzlich am Herzschlag gestorben. Der Rock sei nebst anderem wertlosen Zeug einem gewissen Lumpenmann verkauft worden, und das weitere könne sich jeder denken.

Von dieser Geschichte erfuhr Mathias Berger vorläufig nichts. Er wußte, daß die Sympathie, die er früher im Dorfe genossen, geschwunden war seit dem Tage, da er sich der Raschdorfschen Sache annahm. Er hatte sich in Widerspruch gesetzt mit der öffentlichen Meinung, und das mußte er fühlen. Daß er einer ungeheuren Unehrlichkeit bezichtigt wurde, ahnte er nicht, freute sich vielmehr, daß sich die Leute schmerzlich den Kopf darüber zerbrechen würden, wie er zu so vielem Gelde gekommen sei.

Unterdes hatte er auch nicht Zeit, sich um das Gerede im Dorfe zu kümmern. Die riesige Arbeitslast, dem zerrütteten Buchenhofe wieder aufzuhelfen, lag auf seinen Schultern. Und da wuchs mit der Aufgabe seine Kraft. Zum erstenmal im Leben stand er so schweren Forderungen gegenüber, und sie stählten ihn.

Im zeitigen Frühjahr schon begann der Aufbau der Gebäude. Mathias Berger hatte einen tüchtigen, gewissenhaften Maurermeister gefunden, der sein Werk solid, rasch und billig herstellte.

Berger war von früh bis in die späte Nacht tätig. Jetzt war er in der Stadt zu Verhandlungen, jetzt stand er draußen auf dem Felde, jetzt saß er grübelnd und rechnend in der Stube, und dann stand er wieder unter den Handlangern und rührte Kalk ein oder trug Ziegel.