Ein Notstall wurde errichtet, die nötigen Ackerpferde gekauft, das Ackerzeug ergänzt, und die Feldarbeit konnte neu beginnen. Reichel, der Riese, arbeitete für drei. Aber er tat noch mehr. Er bot Mathias Berger seine Ersparnisse an, die sich auf ein paar hundert Mark beliefen.

»Reichel,« sagte Berger, »Dein Geld brauch' ich jetzt noch nich. Vielleicht später! Dann pump' ich Dich an, das versprech' ich Dir feierlich! Jetzt brauch' ich bloß Dich selber. Aber ganz notwendig, Reichel!«

Der Riese errötete über das Lob, das in diesen Worten lag, und arbeitete wieder, als ob er die Welt zusammenreißen wolle. Es war, als ob er seinen Charakter geändert habe, denn er tat alles mit einer großen Hast, wenn er ging und arbeitete, und ließ die majestätische Ruhe ganz außer acht, die sonst seinem Wesen eigen war.

Auch die Kinder halfen emsig nach ihren Kräften, und Hannes benahm sich in diesen Tagen tadellos, denn am Tage blieb ihm nicht eine Minute Zeit, Allotria zu treiben, und am Abend war er todmüde.

In all diesem emsigen Treiben fehlte nur Heinrich. Er war wieder auf der Schule. Ein paarmal schrieb er dringende Briefe, er wolle nach Hause, wolle helfen. Aber Berger, sein Vormund, ging darauf nicht ein. Er antwortete ihm kaum. Einmal nur schrieb er auf eine Postkarte: »Lieber Heinrich, sei Du nur so fleißig auf der Schule, wie wir hier alle sind, dann wird alles gut werden.«

So kam es, daß Heinrich trotz der heftigen Seelenerschütterungen, die seine Schülerarbeit gehemmt hatten, zu Ostern das Versetzungszeugnis als »Dritter der Klasse« nach Hause tragen konnte.

Auf dem Bahnhof holte den Knaben niemand ab. Es war kein Pferd übriggeblieben für die Fuhre. Aber da drüben hielt ein Wagen aus Heinrichs Heimatsdorfe. Ein Bauer holte irgend jemand von der Bahn. Heinrich stand mit seinem schweren Handkoffer da und wartete immer, ob ihn der Bauer nicht auffordern würde, mitzufahren. Aber der sagte kein Wort, und zu bitten schämte sich der Knabe. So fuhr der Bauer mit seinem halbleeren Wagen heim, und Heinrich nahm den Koffer und machte sich schwerbeladen auf den Weg nach Hause.

Der Koffer zerrte an seinen Armen und Schultern. Aber dem Knaben war doch, als ob er an dem Herzen in der Brust noch schwerer zu tragen habe. Er kam das erstemal nach Hause seit dem Tode beider Eltern.

Wie schwer sich das ging! Schwer und ohne alle Freude. Er hatte auch jetzt keine Begierde, die Veränderungen zu sehen, die seitdem gemacht worden waren. Es waren schon zu viel Veränderungen für eine Heimat.