»Ich weiß es noch!«

Der Knabe war rot geworden. Er war schon reifer als das Kind, und es ging ihm jetzt wie eine langsame Lähmung durch die Glieder. Er hatte immer jene Mitschüler für schlechte Subjekte gehalten, die davon redeten, daß sie eine »Flamme« hätten. Es waren so fünf bis zehn Stück davon in der Klasse. Und ein paar machten sogar Gedichte. Herauskommen durfte so etwas nicht, da wäre einer einfach »abgesägt« worden. Eine schlechte Nummer wäre das mindeste gewesen.

Eine Angst packte Heinrich, ohne daß er doch ein heimliches Glücksgefühl los wurde. Und der junge Herkules wußte gar nicht, daß er da mit seinem Koffer auf einem Scheideweg herumlief.

Lotte begann wieder zu reden.

»Jetzt nach Ostern komm ich auch auf die Schule. In eine Höhere Töchterschule. Weißt Du, Stunden hab' ich ja schon viel gehabt, auch im Französischen, aber jetzt soll ich nu die richtige Bildung lernen. Vielleicht auf vier Jahre komm ich fort.«

»So, so, Lotte. Da wirst Du ja eine feine Dame werden.«

»Ja, der Vater will's. Viel Spaß macht mir's nicht. Aber ich denke, wenn Du doch so viel lernst, da muß ich auch nicht so dumm sein, wenn wir uns schon einmal heiraten.«

Das Mädchen ging von seinem Eheprojekt nicht ab.

»Du hast doch niemand was erzählt, Lotte?« fragte Heinrich ängstlich.

»Soll ich nicht?«