Mit einem Jubelrufe empfing Heinrich das Schreiben und las mit leuchtenden Augen. Lauter interessante Neuigkeiten von Leuten, die er gut kannte. Und am Schluß kam die Schilderung des Lebens und Treibens in der neuen Klasse.

Über diesen Brief bekam Heinrich das Heimweh, und zwar so bitter und stark, wie er es früher kaum gekannt hatte. Er schaute sich um. War er denn nicht zu Hause? War das nicht seine Stube? War das nicht die heimatliche Straße draußen? Wie konnte er Heimweh bekommen? Was war es doch um die Heimat?

Der Jüngling wußte es nicht; er glaubte immer noch, die Heimat sei ein sichtbarer, bestimmter Raum.

Als ein Weilchen später Mathias in die Stube trat, sagte Heinrich: »Mathias, ich hab' ein Anliegen. Ich hab' hier einen Brief von einem Freunde bekommen, der jetzt in Ober-Sekunda ist. Ich möchte mir gern die Bücher von der neuen Klasse schicken lassen. Es interessiert mich doch, was jetzt kommt, und dann, manchmal werd' ich ja doch Zeit haben, ein wenig zu lernen.«

»Ja, Heinrich, das machst Du recht, wenn Du weiter lernen willst.«

So kam es, daß der junge Buchenbauer ein Studierender blieb. An all den langen Abenden saß er bei den Büchern, auch an den Regentagen. Und sein reger Geist faßte das meiste richtig. Dabei versäumte er nicht, sich in den landwirtschaftlichen Arbeiten auszubilden; und es ging auch ganz gut, seit er den schweigsamen, geduldigen Schaffer zu seinem Lehrmeister gemacht hatte. Hannes hatte keine Unterrichtserfolge bei ihm erzielen können, weil er ein zu heißsporniger, bissiger Pädagoge war. Also ward ihm sein landwirtschaftliches Mentoramt auf Grund eines Familienbeschlusses entzogen, und er fügte sich in diese Absetzung mit Würde.