Kapitel 11
So ist ein neuer Kampf in Heinrich Raschdorfs junges Leben getreten. Und im alten Kampf um die Heimat rückten die Bundesgenossen einen Schritt von ihm ab. Seine Schwester Lene weit! Sie sprach nicht mehr mit Heinrich; sie ging immer mit finsterem, verschlossenem Gesichte herum. Es kränkte ihren Stolz, daß sie gedroht und dann die Drohung nicht ausgeführt hatte.
Sie war schwach gewesen und unterlegen.
Und es war nicht bloß der beleidigte Trotz, daß ihr Wille nicht durchgegangen war; es lebte in diesem Mädchen auch das feine Empfinden, daß in die starke Position der Buchenhofleute eine Bresche geschlagen worden sei durch eigene Schuld.
Das wußte auch Mathias.
Einmal war er selbst es gewesen, der den Frieden gepredigt hatte, damals, als die tote Frau noch auf der Bahre lag, als er die Kinder übernahm und einen Weg für sie nach der Heimat suchte. Da erkannte sein kluger Sinn allein im Frieden mit den Leuten das Heil.
Wie eine stolze, halbzerstörte Festung kam ihm der Buchenhof damals vor, ein gar schwacher Platz, der nicht zu halten war, wenn ihn die Gegner unten im Tal mit zäher Feindseligkeit belagerten und ihn qualvoll aushungerten an Liebe und Freude.
Ein Tag mußte kommen, an dem sich die Burgleute ergaben auf Gnade und Ungnade, um in die Verbannung zu ziehen.