Daran dachte er, daß der junge Riedel sich um die Lotte bewarb. Und obwohl sich der Buchenbauer alle zwei Minuten sagte, daß ihn die Sache nichts angehe, gab er sich doch immer wieder Mühe, mit hundert Gründen und Einwendungen das Unsinnige einer solchen Verbindung zu beweisen. Und er redete sich selber in großen Zorn.

So kam es, daß er heftig erschrak, als er plötzlich die Lotte kaum dreihundert Schritte weit vor sich auf der Straße gehen sah. Sie war offenbar auch in der Stadt gewesen. In der Hand trug sie ein kleines Paket.

Dem Buchenbauer wackelten die Zügel in der Hand, und er wußte nicht, ob dieses Zusammentreffen ein Glück oder ein großes Unglück sei.

Was sollte er tun? Was sollte er nur tun?

Sie auffordern, mitzufahren, sie und er ganz allein – sie, die Schräger Lotte, und er, ein Raschdorf? Seine Leute, was würden die sagen? Das kam doch heraus, das ging doch nicht zu verheimlichen. Der Mathias, die Lene – alle – was würden sie sagen?

Heinrich zupfte an der Leine, und das Pferd schlich langsam im Tritt. Es war ein bequemes Rößlein, das seinerseits sich gegen ein vorsichtiges, abwartendes Tempo nicht sträubte.

Aber trotzdem – in wenigen Minuten mußte er sie eingeholt haben! Was dann? Sollte er an ihr vorüberfahren? Sie laufen lassen in diesem Staub und in dieser Hitze? Sie, die ihm einstmals den schweren Koffer getragen hatte? Und ganz abgesehen davon – vorüberfahren, unhöflich sein, grob – das ging nicht, das ging nicht!

Kurz entschlossen rückte sich Heinrich stramm auf und hieb auf das Pferd ein. Und in kaum zwei Minuten war er an Lottes Seite.

»Guten Tag, Fräulein! Darf ich Sie auffordern, mit mir zu fahren?«