Hannes betrug sich ganz ungebärdig. Zunächst beschloß er, einen Tag »blau« zu machen. Ferner nahm er sich vor, am anderen Tage in den Buchenkretscham zu gehen und ein Säuferleben anzufangen, der Lene zum Trotz. Da er sich aber schließlich schämte, das Lokal wieder zu betreten, in dem er eine so wenig rühmliche Rolle gespielt hatte, ging er nach dem Nachbarort, trank in einem Gasthause drei Glas Bier und kam auch wirklich schwer betrunken nach Hause.
In der Nacht war er sehr krank, und sein stämmiger Vater betrachtete mit besorgten Blicken den Sohn, von dem er annahm, daß er nun dicht am Abgrunde des körperlichen und seelischen Verderbens stehe.
Am anderen Morgen glaubte Hannes selbst, seine allmähliche Auflösung sei nahe. Die Krankheit in ihren wilden Erscheinungen war zwar vorüber, dafür hatte sich aber ein Zustand eingestellt, der ihn befürchten ließ, daß seine Kräfte sich langsam vollends abschwächen würden.
Um so freudiger überrascht war er, als er gegen Mittag Hunger bekam und sich nach der Mahlzeit wieder recht leidlich fühlte. Also beschloß er, sich langsam wieder ans Leben zu gewöhnen und auch das Arbeiten wieder aufzunehmen.
Eine Woche lang schmollte er mit Lene, dann hielt er es nicht länger aus und sagte zu dem Mädchen: »Lene, das is auf die Dauer zu tumm. Reden wir lieber wieder!«
Die Lene lachte und sprach auch wieder mit dem Hannes, aber sie dachte bei sich selbst: »Er ist kein rechter Mann. Das durfte er sich nicht gefallen lassen. Er hätte mich müssen laufen lassen; so ist er ein Trottel.«
Und der gute Hannes pfiff derweil vergnügt und hatte gar keine Ahnung, daß er ein Trottel war. Er kannte das Leben nicht, er kannte das Bier nicht, er kannte das Weib nicht. Er war ein harmloser, lustiger Bursche, dem es sicher noch einmal sehr schlecht gehen mußte, ehe er dieses gutmütige, dumme Pfeifen sein lassen würde.
Es war an einem sommerheißen Maitag, kaum eine Woche später. Heinrich war nach der Stadt gefahren, um etliches zu besorgen. Nun war er auf dem Heimwege. Ganz allein saß er auf der kleinen Droschke und ließ das Pferd gemächlich seines Weges ziehen. Dabei konnte er ungestört seinen Gedanken nachhängen.