Das Bild gab keine Antwort; aber in die Augen der Betenden kam Friede. –
Es stand einer von fern. Er war der Liese heimlich nachgegangen. Mathias, ihr Vater.
Er störte sie nicht – o nein! Er wußte, was sie betete. Er wußte, daß es ein Totengebet war für seine und ihre liebste Lebenshoffnung.
Jetzt erhob sie sich und sah ihn. Ein wenig erschrak sie, aber er ging auf sie zu und nahm sie in seine Arme.
»Liese!«
Kein Wort redeten sie. Sie standen ganz still. Ein Vogel, der auf dem Aste saß, hielt inne in seinem Liede, neigte das Köpflein zur Seite und schaute die beiden verwundert an. Und als sie endlich fortgingen, flog er hinüber zum Heiligenbild, wo sein Weiblein im Neste saß, und erzählte ihr, daß es Menschen gäbe, die ganz still stehen und nicht reden. Das Weiblein zwinkerte ihn verständnisvoll an und wies mit dem Schnabel hinab auf das zerdrückte Gras vor dem Bilde.
Und dann sprachen sie von ihren eigenen Sorgen. –
Die beiden Menschen aber gingen schweigend den Bergpfad hinab. Nach einer Weile blieb die Liese stehen.
»Vater, ich will ins Kloster gehen!«
Er erschrak wie vor einem Blitz.