Mathias Berger schlug die Augen nieder.

»Sie sagt, sie hat Beruf dazu. Und das is ja wahr; sie war immer a frommes, guttes Kind, gar nich so für schöne Kleider und Vergnügen, und sie war auch immer gern bei Kranken, das is schon wahr!«

»Darum ist es?« fragte Heinrich. »Bloß einzig darum?«

Mathias antwortete nicht. Die Lene hatte die Schürze vor das Gesicht gepreßt. Wieder blieb es eine Weile still. Da schaute das Mädchen zornig und leidenschaftlich auf: »Nein, nich bloß deswegen! Sie is ihm gutt gewest – dem! Sie hat ihm alles zuliebe getan, immer freundlich, immer so freundlich, aber der hat nischt von ihr wissen woll'n. Tagelang, wochenlang hat a nich mit ihr gered't – und da – und da –«

Sie brach in einen Strom von Tränen aus. Und vor der leidenschaftlichen Anklage verstummte der, den sie anging, und auch der andere, der kein Wort der Entgegnung wußte.

Lene sprach weiter:

»Weißte, Mathias, was wir sind? Lumpe sind wir! Du – Du hätt'st uns damals sollen betteln gehen lassen – rausschmeißen lassen – verkommen – da – da wär's für Dich viel besser gewest! Jetzt haste a Dank!«

»So – so is das nich zu nehmen, Lene! Ihr seid immer freundlich und dankbar zu mir gewest – o ja! – Du mußt 'm Heinrich nich solche Vorwürfe machen; a kann doch nich dafür.«

»Wohl kann a dafür! A is a Mann! A kann durchsetzen, was a will! Und a hätt' a schmuckes, braves Weib gehabt an der Liese. Nein, a wollte nich! A gafft über die Gasse zu der Bande, auf die gezierte Gans.«