»Lene!«
Heinrich rief es, der bisher kein Wort zur Verteidigung gesagt hatte.
»Lene, das verbiet' ich Dir! Mir kannst Du antun, was Du willst, dem Mädel nichts – nichts! Ruhe biet' ich! Sie hat Dir nichts getan, mir nichts getan, uns allen nichts getan! Verdreh' die Augen, wie Du willst, vergreif' Dich meinetwegen an mir, wenn Du's wagst. Ich sag' Dir's geradezu ins Gesicht, auch dem Mathias: Ich kann nicht dafür, ich konnte die Liese nicht heiraten, weil wir beide unglücklich geworden wären.«
»Mensch, wagst Du das wirklich jetzt zu sagen, jetzt? Nein! Weil Du an der anderen hängst, an der – an der –«
»Ja, ich hab' sie lieb! Sehr lieb! Ich fürcht' mich nicht, das auch zu sagen. Ich hab' sie gern, und ich hab' genug gelernt, daß ich weiß, daß sich so was nicht ändern läßt. Aber ich hab' mir Mühe gegeben; ich hab' mit mir gekämpft, das weiß Gott! Es ist nicht gelungen.«
»Nich gelungen? Und das is alles? Und Du – Du sagst wenigstens nich jetzt – jetzt in der letzten Stunde noch, eh' es zu spät is, daß Du die Liese haben willst, daß Du sie dem Mathias erhalten willst?«
»Nein! Ich kann nicht! Was auch passiert – ich kann es nicht!«
»Dann bist Du ein ganz ehrloser Kerl!«
Sie wandte sich nach der Tür, aber Mathias hielt sie zurück.
»Lene, geh nich fort! Bleib hier! Du tust ihm unrecht, Lene! Wenn a auch wollte, es wär' zu spät. Die Liese will ihn nich mehr, schon lange nich mehr, Lene!«