Ein stürmischer Tag folgte dieser Nacht. Der Wind jagte die Schneewolken über Wald und Dorf und peitschte Häuser und Bäume. Und also stürmte es auch in den Geistern der Leute. Wie ein Blitz ein schwarzes, enges Tal, in das kein Auge zu schauen vermochte, urplötzlich durchleuchtet, so war es hier. Die Leute erkannten nun, wer das erste Mal der Brandstifter gewesen war.
Die Arbeit ging an diesem Tage lässig in allen Häusern, denn alle Leute redeten, standen zusammen und plauderten erregt. Das fühlten alle: daß an den Buchenhofleuten schwer gesündigt worden sei. So manchen kam die Reue an, und er nahm sich vor, wieder gut zu machen, wo er etwa gefehlt habe. Die Männer namentlich bedauerten, daß sie der Einladung zur Verlobung im Kretscham nicht Folge geleistet hätten, weil sie dadurch den Raschdorf-Heinrich aufs neue gekränkt hatten. Den Barbier aber trafen die schwersten Vorwürfe, weil er dem Idioten Bier gegeben hatte, und alle meinten nun, er sei schuld an Gustav Schrägers grauenvollem Tode, er sei überhaupt immer der Hetzer und der Schuldige gewesen; ohne ihn wäre alles nicht so schlimm geworden.
So kam es, daß der Barbier in dieser Zeit seine Heimat verlor. Schon nach wenigen Wochen ließ sich ein flinker Konkurrent im Dorfe nieder, und ein wenig später zog der Barbier verachtet und heimatlos von dannen. Auch im Dorfleben ist die öffentliche Meinung souverän; wer bei ihr in Ungnade fällt, dem steht keine Berufung zu; er zieht in die Verbannung.
Über Schräger waren sich die Leute nicht einig. Seine Person blieb im Dunkel. Die Weiber waren geneigt, ihn zu verurteilen, aber die Männer meinten, nun sei es angebracht, recht oft in den Buchenkretscham zu gehen, um am Ende einmal etwas herauszukriegen oder zu erleben. –
Gegen neun Uhr vormittags ging Heinrich Raschdorf nach dem Kretscham. Die Leute hatten eben den Toten in eine leere Kammer zu ebener Erde gelegt. Eine Öllampe hatten sie ihm zu Häupten gestellt, die brannte in trübem Schein.
Erschüttert betrachtete Heinrich die Leiche. Der Verderber seines Hauses, der Bruder seiner Braut und alles in allem ein unglücklicher, beklagenswerter Mensch!
Draußen traf er die Stenzeln und fragte sie nach Lotte. Das Weiblein wischte sich mit der Schürze übers Gesicht. »Ach, du mein Gott! Die hat sich in ihre Stube geschlossen und kommt nicht heraus und gibt keine Antwort.«
Er stieg die Treppe hinauf und klopfte an ihre Türe.
»Lotte! Lotte!«