Lotte stierte in wahnsinnigem Entsetzen die Magd an; wollte reden, schreien, fragen, konnte es aber nicht.

Heinrich nahm sie fest am Arm.

»Schräger! Herr Schräger! Ihr Gustav! Ach Gott, ach Gott! Den Hals gebrochen!« wimmerte die Magd.

Schräger saß da wie ein Bild aus Stein, gänzlich wortlos. Er stöhnte nur. Ein dumpfes Gurgeln drang ihm aus der Kehle; die Augen stierten entsetzt die Magd an, die immerfort weiter schrie, weiter jammerte, dann fingen seine Hände an zu tasten, seine Füße an zu rutschen, und so glitt er schwer unter den Tisch.

Ein paar Minuten später brachten sie den Verunglückten auf einer Futtertrage herüber. Er war tot.

Auf die Diele der Gaststube legten sie ihn und standen dann alle stumm an der Tür. Schräger, dem Hirsel und Heinrich auf die Bank geholfen hatten, hatte lautlos zugesehen. Jetzt erhob er sich. Er wollte hingehen, aber die Glieder versagten ihm. Mitten in der Stube fiel er nieder, und ehe ihn die anderen aufrichten konnten, kroch er wie ein Tier auf Händen und Füßen zu seinem toten Kinde, legte sich mit seinem Körper über die Leiche und blieb zuckend und wimmernd liegen. Lotte führten die Frauen hinüber nach der Wohnstube. –

In später Nacht ging Heinrich Raschdorf heim. Als er die Lampe angezündet hatte, sah er sich scheu um. Das große Bild seines Vaters schaute von der Wand herunter. Und der Sohn sah das Bild an in der Stille dieser seiner Verlobungsnacht, und ein tiefes Schauern ging ihm durch Leib und Seele.

»Nun bist Du gerechtfertigt, Vater! Gerechtfertigt und gerächt!«

Dann stieg er langsam wie ein Kranker hinauf in seine Stube.