Als der Tag lange schon ins Zimmer leuchtete, wachte Heinrich Raschdorf auf. Es war zehn Uhr vorbei. Hastig kleidete er sich an und ging sofort hinüber nach dem Kretscham.
»Ich hab's verschlafen, Stenzeln. Wie geht's? Was macht Lotte?«
Die Stenzeln ging nach der Kommode.
»'n Brief schickt sie, sie is in die Stadt. Um sieben schon. Sie muß sich ja die Trauersachen besorgen. Und der Herr is in seiner Stube und kommt nich raus. Da is der Brief! 's is a Jammer, wie das Kind ausgesehen hat heute früh.«
Heinrich zerriß den Briefumschlag und las einen Satz. Dabei schluckte er heftig, wischte sich mit dem Handrücken über die Augen und trat mit dem Briefe ans Fenster.
»Sie! – Sie! – Sie! – – Stenzeln! – – Da – da – sie ist ja fort – sie ist ja fort, Stenzeln!«
»Herr Raschdorf! Jeses, was reden Sie denn?«
»Stenzeln, sie ist fort! Sie kommt nicht wieder! Sie kommt nicht wieder!«
»Ach Gott, Herr Raschdorf, ach Gott. Das ist ja nich möglich – was –«