»Der Gauner is ausgerückt,« meldete er niedergeschlagen dem Sohne seines Herrn, dem vierzehnjährigen Heinrich Raschdorf, der zu den Ferien daheim war. »Ich sag' Dir, a muß in a Fuchsloch gekrochen sein, sonst hätt' ich 'n erwischt. Ich hab' gesucht wie verrückt!«
»Wenn er Hunger haben wird, kommt er von selber nach Hause,« sagte voll Überlegung Heinrich, der Quartaner.
»Ja, und weißte was? Dann machen wir 'n Heidenulk! Wir machen Gericht! Du bist der Richter, und ich bin der Poliziste, und Du verurteilst a Dackel, daß ihm der Poliziste fünfe aufs Leder haut, und daß a ihn mit der Schnauze a paarmal aufs tote Hühndel stampt, und daß a ihn 'ne Stunde in a Kohlschuppen sperrt. Gelt, Heinrich, das machste?«
»Ich werd' mir's überlegen,« antwortete in vornehmer Ruhe der Quartaner.
Diese Zurückhaltung schien dem lebhaften Bauernburschen nicht zu gefallen. Er sann über etwas anderes nach. Nicht lange, so hatte er's.
»Ja, und weißte was, Heinrich? Das Hühndel werden wir begraben. So 'n Begräbnis macht auch 'n riesigen Spaß! Du machst a Pfarrer –«
»Das ist mir schon zu kindisch, das hab' ich früher gemacht,« erwiderte Heinrich.
»Na, hör' mal, wenn Du auch Quartaner bist, kannste doch noch 'n Pfarrer machen. Siehste, ich bin der Totengräber. Wir machen 'n Leichenzug, und ich setz' mir Vaters Zylinder auf und geh' so wackelig vorm Zug her, gerade wie der alte Lempert. Was Ulkigeres wie 'n Totengräber gibt's nich. Na, und die Mädel sind doch och dabei, die Lene und die Lotte und die Liese. Die müssen flennen. Und wenn Du die Rede hältst, müssen sie immer mehr flennen, und nachher lassen wir das Hühndel ins Grab und die Mädel singen: »In der Blüte deiner Jahre«. Na, wenn das nischt is! –«
Der Quartaner überlegte. Die Beredsamkeit seines ländlichen Freundes beeinflußte ihn. Skrupel hatte er ja freilich. Seine »Kollegen« in der Quarta würden so etwas »einfach dämlich« gefunden haben. Also sagte er langsam und bedächtig: