»Ich werde hier auf Herrn Raschdorf warten, ich hab' mit ihm zu reden. Sagen Sie's ihm, wenn er kommt,« befahl sie einer Magd und setzte sich in den Lehnstuhl am Fenster der Wohnstube des Buchenhofes.

Sie sah sich um. Als kleines Mädchen war sie manchmal hier gewesen, seitdem nicht mehr. Das Bild des alten Raschdorf sah auf sie herab. Sie blickte es ruhig an. Es war alles teuer gesühnt.

Jetzt rollten die Wagen in den Hof. Im Hausflur erfolgte eine Begrüßung der Brautleute durch die Dienstleute, dann stieg die kleine Gesellschaft die Treppe hinauf.

»Was? – Was? – Wo?«

Das war er. Bald darauf trat er in die Stube im Hochzeitsanzug, den Zylinderhut in der Hand. Ein paar Sekunden lang stand er Lotte wortlos gegenüber; dann trat sie rasch ein paar Schritte auf ihn zu und sagte schnell und hastig: »Bitte um Verzeihung, aber ich muß Sie nochmals persönlich bitten, meinen Vater zu besuchen, er ist ein Sterbender, und er hat dringend mit Ihnen zu reden.«

Er sah sie mit großen Augen und tieferschreckt an und sagte kein Wort. Da errötete sie und begann wieder:

»Nur auf wenige Minuten, er ist ein Sterbender –«

»Ich werde kommen –«

»Ich danke!«

Und sie ging rasch aus der Stube. Regungslos stand er noch auf seinem Platz, als sie schon über die Straße zurück war.