»Meinen Vater ins Gefängnis – dem Zuchthause nahe – in den Tod, uns alle ins Elend, in Not, Haß, Feindschaft – ooh – sterben Sie – sterben Sie, wie Sie wollen, Sie elende Kreatur!«

Lotte sprang auf.

»Nun bitten wir nicht mehr, Vater! Jetzt nicht mehr! Jetzt ist's genug! Jetzt haben wir bekannt und gesühnt! Gehen Sie, Herr Raschdorf!«

Er starrte sie an.

»Ja! Gehen Sie, gehen Sie!«

»Nich gehen – nich gehen – oooh – die Schmerzen – der Tod – der Raschdorf! – Nich gehen, Heinrich! Die Angst –«

Der Kranke stand auf vom Lehnstuhl, wollte auf Heinrich zu und fiel schwer auf den Fußboden.

Eine zuckende, stöhnende, sterbende Masse!

Da kam das Grauen, das stärker ist als alles andere, und einigte sie. Gemeinsam faßten sie an und hoben den Kranken in den Lehnstuhl zurück. Dessen Gesicht war blau, und seine Hände tasteten in die Luft. Und Heinrich Raschdorf, der so dem Tod ins verzerrte Gesicht sah, faßte eine maßlose Angst, ein grauenhaft Entsetzen. Es ging ihm wie so manchem Unglücklichen: Wenn ein schwerer Schreck die Rinde auf dem vereisten Herzen sprengt, dann springt wieder stark und klar die heilige Quelle der Barmherzigkeit.