Es entstand eine Pause. Heinrich lachte leise vor sich hin, während Hannes' Miene sich mehr und mehr umdüsterte.
»Ja, meine Frau! Sie is ja ganz gut und tüchtig, ja – aber ich och! Und kneipen tu ich doch nich; ich unterhalt' mich doch bloß mit a Gästen. Na, und das muß a Gastwirt. Sonst is keen Betrieb. Aber die, immer aufs Feld, immer aufs Feld jagt sie einen.«
»Sag' mal, Hannes, Du klagtest doch dieser Tage über Kopfschmerzen.«
»Ja, die hab' ich auch noch.«
»Du, dann tut Dir Bewegung in freier Luft sehr gut.«
»Jüh!«
Hannes hieb dem Pferde die Peitsche auf den Rücken und fuhr rasch davon.
Der junge Arzt sah ihm lachend nach. Ein guter, lustiger Kerl war der Hannes immer noch. Aber daß er das Regiment in seinem Hause führe, konnte nicht gut jemand behaupten. Und es schadete auch vielleicht nichts. Die Lene war bei aller Energie in ihren Mann so verliebt, wie nur je eine Frau. Sie kamen sehr gut fort in ihrer Wirtschaft. Nicht lange mehr, so würde Hannes den Kretscham kaufen können. Dann war der Traum des alten Schräger, die beiden Buchenhöfe zu vereinigen, endgültig zunichte. Über die Pläne des Menschen, die aufs Geld gegründet sind, schreitet die Zeit, die größte Mammonsfeindin, lachend hinweg.
Eine hohe Gestalt ragte in der Ferne auf. Das war der Schaffer. Als sein Sohn Hannes die Wirtschaft übernahm, zog er mit ihm nach dem Kretscham. Aber schon nach acht Tagen kam er nach dem Buchenhofe zurück. Er hatte das Heimweh bekommen. Er konnte sich nicht an eine neue Wohnung, an neue Wirtschaftsräume und am allerwenigsten an neue Felder gewöhnen. Und wieder tat er den bedeutsamen Ausspruch: »A alter Kater geht nich weg vom Hofe« – und blieb Schaffer auf dem Buchenhofe, wo er sein Leben lang gehaust hatte. Abends nur ging er manchmal nach dem Kretscham und ließ seinen Sohn »etwas verdienen«.
Dann sah er mit Stolz, wie Hannes den Wirt spielte und mehr redete als alle seine Gäste zusammen. Am allerschönsten war's immer, wenn Hannes von Breslau erzählte, von der herrlichen Soldatenzeit und von seinen zahlreichen anderen Besuchen in der Hauptstadt, da Heinrich als verheirateter Student mit der Lotte dort gewohnt hatte. Und wenn der Schaffer den Sohn also seine schöne Redegabe entfalten sah, ging ihm das Herz auf, und er selbst war ganz schweigsam gegenüber solchen Talenten.