Langsam fuhr der Wagen die sandige Straße entlang. Der Kirchturm des Dorfes ragte auf; da lief ein Zittern über die Gestalt des Kindes, und die feine Gestalt reckte und dehnte sich, mehr zu sehen, mehr von der Heimat. Dann kam ein Grenzweg, und nun war Heinrich Raschdorf auf väterlichem Boden. Ein glückseliges Leuchten brach aus seinen Augen. Jetzt war es aus mit Sehnsucht, Heimweh und Herzeleid, jetzt fühlte er sich sicher und geborgen.

Hier auf heimischer Erde wäre er dem gefürchtetsten Lehrer sicher und lächelnd entgegengetreten; hier hätte er sie nur einmal haben mögen, alle seine Mitschüler; beide Hände würde er ausstrecken und sagen:

»Seht Ihr, hier bin ich zu Hause! Hier wohnen mein Vater und meine Mutter und mein Großvater und alle, die ich kenne. Und alle die Felder sind unser, und dort drüben das ist unser Hof.«

Ein Mann mit einem Jagdgewehr ging über die Felder, kaum zwei- oder dreihundert Meter vom Wege entfernt. Der Dienstjunge hielt das Pferd an. Heinrich aber sprang auf, riß den Hut vom Kopfe, winkte und schrie: »Vater, Vater, Vater!«

Der Mann unten blieb stehen, blinzelte durch das Herbstlicht herauf und winkte ein wenig mit der Hand. Dann gab er ein Zeichen weiterzufahren und setzte seinen Pirschgang fort.

Knarrend fuhr der Wagen die Straße weiter. Der Knabe saß ganz still. Ein Kartoffelfeld tauchte auf. Eine Anzahl arbeitender Menschen waren da beschäftigt und wühlten geschäftig in der schwarzen Erde nach den weißen, duftenden Knollen. August Reichel, der Schaffer, überwachte das Ganze wie ein schweigender König. Aber allen nahm er die schweren, gefüllten Körbe ab und schüttete deren Inhalt auf einen riesigen Wagen.

Da trennte sich ein junger Bursche vom Arbeitstroß, rannte ein Stückchen, fiel über einen Kartoffelsack, stand wieder auf, stolperte noch einmal über eine Furche, riß dann die Mütze vom Kopfe, schlug in einem ganz närrischen Tempo Räder damit in die Luft, sprang über den Straßengraben, trat an den Wagen und sagte keuchend:

»Na, Heinrich, das is aber fein, daß De kommst!«

»Guten Tag, Hannes! Du hast ja so kalte Hände.«

»Na, klaub' mal Kartoffeln, wenn der Boden so kalt is! Du kannst froh sein, daß De immer Quartaner sein und in der Stube sitzen kannst.«